überPiraten
Vor ein paar Tagen traf ich meinen guten Freund M. Wie immer, wenn man sich lange nicht gesehen oder gehört hatte, sprachen er und ich lange über diverse Themen. So fragte er mich nach meiner Meinung zur Piratenpartei. Er überlege dort eventuell einzutreten und ob ich nicht dazu auch Lust hätte, was ich von der Partei halten würde und so weiter und so fort.
Tja, was halte ich eigentlich von der Piratenpartei? Ist es eigentlich überhaupt eine Partei? Nein, wenn ich recht bedenke, dann wohl eher nicht. Warum? Nun um das deutlich zu machen ziehe ich einen Vergleich zum Essen:
Man stelle sich vor, man sitzt in einem Restaurant und bestellt sich ein Gericht tutti kompletto aus der Karte. Man isst es, man verdaut es und wenn es gut war, freut man sich über die Wahl, ansonsten sitzt man halt mit Magenschmerzen auf dem Klo und wählt dies nicht nochmal. So verhält sich das auch mit Parteien: Vom Wahlzettel sucht man sich eine aus, verdaut deren Leistung dann für 4 Jahre und sagt sich dann: Ja war gut oder war es halt nicht.
So stelle ich mir das mit Parteien vor: Parteien sind komplette Gerichte die Sachen haben die einen schmecken und andere wiederum nicht. Was man nicht mag, nimmt man in Kauf und lässt es liegen, denn in der Realität haben Parteien ja auch so schöne umfangreiche Wahlprogramme wo man sicherlich nicht alles dran mag. Man wählt ja auch nicht das was man nett findet, sonder das wo man sich selbst am meisten wieder findet.
Bei der Piratenpartei ist es eigentlich nicht so. Da sich die Piratenpartei auf wenige Bereiche konzentriert ist sie keine eigentliche Partei an sich, als viel mehr ein Zusatz. Oder um zu meinem Beispiel mit dem Essen zurück zukommen: Die Piratenpartei ist kein ganzes Gericht, sie ist vielmehr ein Teil davon, eine Beilage wie Kartoffeln oder Salat zum Beispiel. Lecker aber zu wenig um davon alleine satt zu werden.
Beispielsweise fehlen dem Parteiprogramm der Piratenpartei Punkte, Stellungen im Bezug auf essentielle Themen der Gegenwart wie Umweltschutz, Wirtschaft oder aber Sozialem. Nicht falsch verstehen: die Piratenpartei hat sich (so jetziger Zeitpunkt) andere Ziele auf die Fahne geschrieben – Beispielsweise: Bildung, Patentrecht, Urheberrecht und informationelle Selbstbestimmung. Eben jene Ziele, die in anderen Parteien nur wenig bis gar keine Betrachtung finden. Aber ich bezweifle dass das auf Dauer reichen wird.
Entwickelt sich aus der Piratenpartei noch ein vollständiges Mahl? Wünschen würde ich es ihr, aber vielleicht ist die Piratenpartei auch der erste von vielen. Drehen wir den Gedanken mal um: Bis dato bieten Parteien All-inklusive Pakete an. Zu jedem Thema kann man eine Stellung beziehen oder aber aus dem Hut zaubern, ohne jetzt mal auf den inhaltlichen Wert einzugehen. Wäre es nicht auch möglich dass es viele fachspezifischen Parteien gibt, aus denen eine Regierung gebildet wird? Wenn jede Partei in Zukunft ein Teil eines vollständigen Mahles wäre, könnte die Mehrheit sich dann nicht ein entsprechend leckeres Mahl selbst zusammen stellen? Das hätte ein wenig den Charme eines Multivitamindrinks: “Neue Regierung! Jetzt mit den Vitaminen Sozial, Wirtschaft, Kultur und dem Wirkstoff Pirat. Der Geschmack für den Neustart in die Zukunft”
Klar, dass ist jetzt mehr ein Gedankenkonstrukt als Realität, doch wer weiß schon was in Zukunft kommen wird?
Aber, zurück zum Ausgangspunkt, zur Piratenpartei. Was ich davon halte? Ich mag die Piraten, sie haben Charme und gute Ansätze. Doch im eigentlichen Sinne ist sie keine Partei für mich, dafür ist sie mir zu “spezifisch”, zu wenig “universal”. Dennoch stellt sie ein Zusatz dar auf denen ich ungerne verzichten würde. Könnte ich mein Essen zusammenstellen würden die Piraten da wohl ihren Platz finden.
Allerdings, muss die Piratenpartei sich erst noch beweisen. In den Bundestag reinkommen reicht alleine nicht. Erst dort wird es richtig spannend, denn dort muss sie sich beweisen: mit anderen Parteien zusammenarbeiten, etwas aushandeln, durchsetzen um etwas zu bewirken. Zudem, wird sie sich weiter entwickeln müssen, denn im jetzigen politischen System bietet sie zu wenig für die Massen.
So und nun habe ich Hunger
3 Comments
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Arrrrr! Ich finde das gar nicht schlecht so eine monothematische Partei. 1. Haben Sie dann wenigstens Ahnung über das worüber sie reden und geben auch zu nicht von allem Ahnung zu haben (stelle Dir das mal bei CDUCSUSPDFDPGRÜNE vor…) 2. Scheinen mir die Pirrraten die einzigen zu sein die b e g r e i f e n dass das Internet nicht nur “noch ein Medium” ist sondern unser aller Leben tiefgreifend verändert; imho ist das Netz für die Menschheit mindestens so wichtig wie die industrielle Revolution 3. Sehe ich nicht welche andere Partei heutzutage noch für die Bürgerrechte, also unser aller Rechte gegen den Staat, eintritt. Mir kommt es manchmal immer mehr so vor als würden viele Mitbürgerinnen und Mitbürger ihr eigenes Denken sofort gegen eine gute Rente ab 30 eintauschen würden… 4. Hab ich jetzt auch Hunger. Mahlzeit!
Arrrr, mir ist der Magen schon von sämtlichen Speisen aus der Bundestagsküche verdorben und die Piraten scheinen mir das letzte Mal, dass man noch genießen kann, ohne 4-jährige Bauschmerzen zu riskieren.
Außerdem stimmt es nicht, dass die Piraten nichts zu anderen Themen zu bieten haben (von Umwelt bis “Braunschweiger Sozialprogramm” alles mit dabei), allerdings muss man ja nicht´s überstürzen, denn leckere Gerichte dauern halt ein wenig. Ist doch ganz sympathisch bei dem Fast-Food, den Dir alle anderen bieten. Denn das sättigt ja nun nicht richtig…
LG
@hermann
1. eine monothematische Partei lehne ich generell auch nicht ab, doch das alltägliche Leben hat mehr als nur ein Thema um das man sich kümmern muss. Nur momentan sind wir noch in einer Phase der “universellen” Parteien und entweder die Piraten passen sich dem Umfeld an oder umgekehrt. Auf Dauer sehe ich sonst so keine größeren Erfolg.
2. dem stimme ich zu
3. dem auch. ich finde es ja für gut das die Piraten für die Bürgerrechte eintreten und das machen sie deutlicher als die anderen Parteien. Nur auf Dauer ist wirst Du Dich nicht auf solche Punkte beschränken können wenn Du langfristig Erfolg haben möchtest (siehe auch Antwort 1)
4. Guten Appetit
@Dennis
Kann ich absolut nachvollziehen. Ist nicht so das ich die letzten vier Jahre als Fortschritt sehe – eher als Stillstand.
Mag sein das die Piraten da inzwischen etwas bieten. Für den Blog eintrag habe ich mich allerdings auf das Wahlprogramm zur Bundestagswahl bezogen (http://www.piratenpartei.de/tmp/Wahlprogramm_Bundestagswahl2009.pdf) und da sind diese Themen nicht vorhanden.
Zudem sage ich ja auch nicht das die Piraten sich beeilen müssen als viel mehr das sich eine Entwicklung auf lange Sicht abzeichnen muss. Ein Gericht braucht seine Zeit, keine Frage. Nur kann man den Kunden nicht ewig auf sein Essen warten lassen.