Shopping bei Behörden


In Behörden ist alles, aber auch alles geregelt. Angefangen von der Farbe des Kulis mit dem man schreibt bis hin zum Schriftverkehr. Die Dinge sind geordnet, strukturiert und frei von jeder Abweichungsmöglichkeit und Abkürzung.

Doch ab und zu wäre es nicht verkehrt die ausgebaute Strasse zu verlassen. Die folgende Geschichte hat sich wirklich so abgespielt und wurde lediglich von mir verfremdet um der Bild keine Rückschlüsse zu ermöglichen 😉

Für einen alljährlich zu erstellenden Bericht erstellte Behörde X mit Excel einen Fragebogen der an verschiedene Unternehmen versand wurde. Die Unternehmen füllten ihn aus und schickten die kleine Datei auf einer CD-ROM gebrannt oder per Mail wieder zurück. Die gesammelten Daten wurden aufbereitet, ausgewertet und anschließen Archiviert. Dabei stellte sich die Behörde die Frage ob man alle CDs mit ihren Hüllen archivieren sollte oder nicht. Eine Hülle nimmt schließlich einiges an Platz in Anspruch und dem wollte man entgegentreten. So überlegte einer der bearbeitenden Mitarbeiter ob es nicht sinniger wäre einen CD Ordner zu besorgen, denn so wären alle CDs an einem Ort. Platz sparend untergebracht und so ein CD Ordner kosten ja etwas um die 10 € im Laden.

An sich keine dumme Idee, nur wie zu beginn gesagt: in Behörden sieht die Welt etwas anders aus, denn alles ist strukturiert.

So wurde dem Mitarbeiter nahe gelegt für den CD Ordner einen Antrag an die entsprechende Stelle zu stellen. Der Mitarbeiter tat wie ihm geheißen und stellte den Antrag. Er schob die CDs etwas mehr an den Rand seines ohnehin vollen Schreibtisches und arbeitete friedlich weiter. Nach zweiwöchiger Bearbeitungszeit und einigen Telefonaten wurde dem Antragsteller mitgeteilt, das sein Antrag eingegangen und eine Lieferung in Vorbereitung sei. Er freute sich, denn die CDs hatte er zwischenzeitlich neben seinem Schreibtisch auf den Boden gestapelt, denn Platz war einfach Mangelware.

Die Lieferung fand nach weiteren zwei Wochen auch ihren weg zum Antragsteller, doch leider handelte es sich um Musterexemplare die man doch bitte teste und bewerten solle. Nach einigen Telefonaten fügte sich der Antragsteller seinem unausweichlichen Schicksal: Er testete und bewertete die vor ihm liegenden CD Ordner, schickte sie dann mit einer Empfehlung zurück und seinen Stapel an CDs legte er inzwischen in den Schrank, dann sah es im Büro nicht ganz so bescheiden aus. Weitere zwei Wochen später bekam er eine weitere Meldung: Die CD Ordner würden beschafft und ihm schnellstmöglich zugesandt. Die CDs standen inzwischen wieder auf dem Boden neben dem Schrank, denn dessen Kapazität wurde ganz von den zahlreichen Aktenordnern in Anspruch genommen.

Es vergingen erneut zwei Wochen ins Land als der bestellte CD Ordner beim Mitarbeiter eintraf. Die CDs waren schnell einsortiert, der Ordner beschriftet und dann endlich ins Archiv gebracht. Bis zu diesem Zeitpunkt verschlang die Beschaffung einen einfachen CD Ordners nicht nur acht Wochen an Zeit, sondern auch durch Versandkosten, Telefonate, Arbeitszeit etc einiges an Kosten die ich mir gar nicht ausrechnen mag.

Ansonsten soll sich jeder sein eigenes Bild zu solchen Abläufen machen, ich jedenfalls, kann nur den Kopf darüber schütteln.

  1. #1 von Usi am 10. Januar 2007 - 9:50

    Sieh es doch mal so: Es schafft mindestens zwei Arbeitsplätze mehr und den Ärzten Mehreinnahmen, da das Trauma danach ja auch behandelt werden muss.

  2. #2 von Dat Schnitzel am 10. Januar 2007 - 12:10

    Da fällt mir doch auf Anhieb so ein lustiges, mittlerweile schon betagtes Liedchen ein, in dessen Refrain es ungefähr heißt:

    „Einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars,
    zur Betätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars
    dessen Gültigkeitsvermerk von der Bezugsbehörde stammt
    zum Behuf der Vorlage beim zuständgen Erteilungsamt.“

    Und der gute Reinhard hat dabei nicht im mindesten übertrieben. Allerdings hat sich auch über die Jahre leider rein gar nichts daran geändert.

  3. #3 von der Kaiser am 10. Januar 2007 - 18:10

    @Usi

    Stimmt, das Märchen von der Vollauslastung in der Arbeitswelt muss gewahrt bleiben

    @Dat Schnitzel

    Stimme ich zu. Allerdings wenn ich den Eintrag so lese kommt mir diese Szene aus Asterix und Obelix erobern Rom in den Sinn: Da gin es doch um den Passierschein A 38 😉

  4. #4 von Hermann am 10. Januar 2007 - 18:53

    Hey, sind doch nur Steuergelder… Grrrrrrrrrrr

(wird nicht veröffentlicht)