Don’t look back in anger


Mit jedem neuen Jahr ist man geneigt eine Bilanz über die Vergangenheit zu ziehen: Man summiert in Person von Mensch oder Medien alle schönen und nicht so schönen Dinge, errechnet ein Endergebnis und stellt so fest ob das vergangene Jahr zu den guten oder den schlechten gehört. So manch einer versucht den persönlichen Wert eines Jahres durch das Erstellen von Top und Floplisten zu bestimmen. Man dem dahinscheidenden Zeitabschnitt mit einer eigene Farbe, einem eigenen Wiedererkennungswert zu kennzeichnen um es letztendlich von all den anderen Jahren zuvor unterscheiden zu können. Klar, die Jahreszahl an sich würde schon genug Kennzeichnung bieten, doch wer merkt sich schon leicht etwas an Hand einer blanken Zahl?

Als ich kleiner war, habe ich stets mit großem Interesse all diese Listen gelesen die mir sagten, was gut, was schlecht, was zu erinnern und was zu vergessen war. Es war ganz einfach, denn alle lasen es und handelten danach und was alle zu tun pflegten konnte ja nicht gänzlich verkehrt sein, so zumindest dachte ich.

Doch diese Form eines persönlich, jährlich erscheinenden Kontoauszuges der Jahres habe ich nicht wirklich lang beibehalten: zu schnell verlor mein eigener Wiedererkennungswert in jenen Listen immer mehr an überlebenswichtiger Schärfe. Ich versuchte es mal mit eigenen Top oder Floplisten für verschiede Kategorien wie beispielsweise Musik, doch auch diese starben so schnell wie sie geschrieben waren. Welchen Sinn mochte es haben sich selbst aufzuzeigen was gut und was schlecht war? Reichte es nicht das, was wirklich bestimmend für ein Jahr war zu benennen und es dabei zu belassen? Ein Jahr war nur ein kleiner Zeitraum im Leben und ich fand es dann doch unpassend einen Abschlusswert dafür zu finden. Das erschien mir kalt und wenig passend zum Leben als vielmehr zur Buchhaltung.

Ich habe viel drüber nachgedacht und versuche inzwischen keine solchen Bewertungen in meinem Leben einfließen zu lassen. Sicher ist so etwas leicht gesagt, ich ertappe mich selbst dabei zu sagen dass das Jahr 200x gut oder schlecht war doch im Inneren betrachte ich jedes Jahr an Hand der Momente und Erkenntnisse die mir zuteil wurden. Ob sie gut oder schlecht waren ist da für mich zweitrangig, denn letztendlich haben sie mich alle beeinflusst und ein Vergleich wäre ähnlich zu sehen wie Äpfel und Birnen.

Ein Beispiel: Wenn ich heute in mein Adressbuch schaue und all die Namen sehe von enge Vertraute und Freunde die ich im Verlauf des letzten Jahres aus diversen Gründen streichen musste, dann ist mir sehr schwer ums Herz. Kann man so etwas mit wichtigen Erkenntnissen die ich über mich selbst gefunden habe, vergleichen? Kann man so etwas in einen einfachen Wert pressen? Wohl eher nicht.

2007 war ein sehr intensives Jahr was Fortschritte, aber auch Rückschläge angeht. Trotzdem, ich habe viel davon gelernt und sehe dem nächsten Jahr mit seinen einzigartigen Momenten in Höhen und Tiefen interessiert entgegen.

  1. #1 von MC Winkel am 8. Januar 2008 - 19:16

    Da liest man so ein wenig den Buchhalter raus, Herr Kaiser! (ist ja nichts Negatives und schon gar nicht so gemeint…)

    Ich sach‘ ja immer: nicht immer so viel über das Leben nachdenken, lieber leben! 🙂

    In diesem Sinne,
    alles Gute, 2008 wird super!

  2. #2 von S. Meyer am 12. Januar 2008 - 8:23

    Viel wichtiger ist es ja, nach jeder Entscheidung zu prüfen, ob diese gut oder schlecht gewesen ist, anstatt nach einem Jahr die Bilanz zu ziehen. Also immer schön menschlich bleiben in 2008 – egoistisch sind andere schon genug 🙂

  3. #3 von Herr Olsen am 17. Januar 2008 - 13:40

    Für mich spielt es letztlich keine Rolle, wie ich auf das vergangene Jahr zurückblicke. Ob mit Listen, chronologisch oder anhand der Ereignisse.
    Für mich ist die Hauptsache, dass ich es überhaupt tue. Wie käme ich sonst in den Genuss diverser fast vergessen geglaubter Erinnerungen?

  4. #4 von der Kaiser am 21. Januar 2008 - 13:31

    @MC Winkel
    Finden Sie? An sich will ich ja nicht das Leben buchhalterisch aufbereiten sondern vielmehr als gesamtes sehen. Was das denken angeht so gebe ich Ihnen recht, vielleicht können Sie mir ein wenig von der Nordisch-Winkelischen Gelassenheit abgeben?

    @S.Meyer
    Da haben Sie auch wieder recht

    @Herr Olsen
    Sie sagen es, sehe ich nicht anders

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