‘Geschichten’ Category Archives
Jan
Ausgesperrt
by der Kaiser in Fürs Notizbuch, Gedankensalat, Geschichten
„Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen?“ fragt sie und rührt ein Häufchen Zucker in ihren Pfefferminztee. „Unsere Trennung müsste doch sicherlich ein gutes Jahr zurückliegen.“
„Ich weiß nicht, Trennung finde ich nicht unbedingt das richtige Wort – schließlich waren wir offiziell nie zusammen.“ entgegne ich und nehme einen Schluck Kaffee.
„Aber wir beide hatten schon dann und wann mal was laufen. Nicht offiziell, das ist richtig aber eben inoffiziell. Insofern ist Trennung schon das richtige Wort. Also! Wie lange liegt die nun zurück? Ein gutes Jahr, nicht wahr?“
„Ein wenig mehr: Bis heute sind es 473 Tage um genau zu sein“
Verwundert sieht sie mich an: „Du hast die Tage gezählt?“
Ich zucke leicht mit den Schultern: „Nicht wirklich – das hat sich einfach von selbst ergeben.“
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Okt
Was uns verbindet
by der Kaiser in Fürs Notizbuch, Gedankensalat, Geschichten, Unterwegs
Als sich meine Zehen in den weichen, warmen Sand eingraben, schließe ich unwillkürlich meine Augen. Meine Augen brauchen nicht zu sehen, diese Aufgabe übernehmen meine Ohren, meine Gefühle.
Obwohl die Sonne niederbrennt, sorgt ein kühles Lüftchen für angenehme Temperaturen während das Geschrei der Möwen eine leichte Gänsehaut auf meinen Armen erzeugt. Ich kann die Sonne auf meinem Gesicht spüren, fühlen wie das Gemisch aus Wind und Sonne sich an meinem Körper anschmiegt, hören wie zahlreiche Krönchen aufgesetzt und zugleich wieder abgesetzt werden. Immer anders und doch immer gleich.
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Aug
Ein Sonntag im Sommer
by der Kaiser in Fürs Notizbuch, Gedankensalat, Geschichten, Unterwegs
Grillen zirpen rhythmisch durch das Fenster in mein Schlafzimmer. Gedankenverloren starre ich in die schwach von außen erleuchtete Dunkelheit. Heute war ein schöner Tag, voller Sonnenschein, mit einem vollem blauen Himmel, einem warmen Gefühl auf dem Gesicht und voller kleiner Momente die einen Tag, ein Leben abrunden können.
Geweckt von den ersten Strahlen des Tages, war ich bereits früh unterwegs um so viel wie möglich von diesem einen Tag mitzunehmen.
Am Bahnhof kaufte ich mir Kaffee und ein kleines Frühstück, überquerte dann den Rhein um an einer zurückgezogenen Stelle mit ihm in Stille zu frühstücken. Weder Vater Rhein noch ich musste uns irgendetwas erzählen, wir verstanden uns blind. Er las meine Gedanken und trieb sie weit fort, denn Gedanken waren heute fehl am Platze.
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Jul
3D Möpse
by der Kaiser in Gedankensalat, Geschichten
Der aktuellen C’t liegt eine 3D Brille dabei mit dessen Hilfe man sich Videos, Programme und anderes Zeug in alle drei Dimensionen ansehen kann. Dass das nicht wirklich neu ist weiß auch die C’t, verweist aber die stetige Zunahme von 3D Kinos weltweit. Diesmal könnte 3D vielleicht für immer bleiben statt nur alle 10 Jahre erneut aufzutauchen.
Sofern mich meine Erinnerung nicht trübt war die 3D Brille auch ein heißes Thema zu Beginn der Neunziger, ausgelöst durch den so genannten Herrn der Möpse Hugo Egon Balder und seiner Show Tutti Frutti. Dort blitzen in schönster regelmäßigkeit blanke Brüste auf, was die Show zu einem offenen Musst-Du-gesehen-haben-Ereignis in erster Linie unter Männern machte. Ich selbst, gerade mal zarte 14 Jahre alt, hatte zwar schon heimlich mehrfach Tutti Frutti am Fernseher meiner Schwester gesehen, aber so wirklich verstehen tat ich das ganze Gejohle um Brüste nicht wirklich. (Die Pubertät und ich ignorierten uns gegenseitig zu dieser Zeit konsequent, muss man dazu sagen.). Was war so toll an Brüsten?Andere Sachen waren da einfach spannender für mich wie der FC, der Disney Club oder aber wie ich mit möglichst wenig Aufwand die nächste Klassenarbeit hinter mich bringen konnte.
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Jan
Der Geschmack von Schnee
by der Kaiser in Fürs Notizbuch, Gedankensalat, Geschichten
Kälte besitzt keine Farbe nur Schärfe. Die kalte Luft lässt lediglich unsere Gesichter erröten während wir an unserem Platz auf der kleinen Brücke stehen. Der kleine Fluss über den sie geht hat sich versteckt. Unter einer dicken Schicht aus Eis und Schnee zieht er weiter, ohne sich bemerkbar zu machen, seine Runden. Hinfort durch andere Gegenden und Länder, immer weiter in Richtung des großen Meeres. An seinen Ufern hängen schlafend, struppig und zerzaust die Reste vergangenen Lebens.
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Aug
Ungehörte Worte
by der Kaiser in Fürs Notizbuch, Gedankensalat, Geschichten
Von meinem Fenster aus, kann man hinaus auf den Hof sehen. Dem Fall des Laubes folgen, welches golden schimmernd einen schier ewigen Fall auf die Erde macht. Ob der Moment der Berührung der Erde schmerzlich ist? Warum denke ich nur so etwas? Ich kann es nicht sagen, kann gar nichts sagen… noch vom Schlaf betrunken, richte ich mich auf und blicke an meine Seite. Leer, wie schon so lange, eine schiere Ewigkeit seit dieser Platz von Dir belegt war. Komisch! Ich dachte nie, dass ich mich daran gewöhnen könne, aber inzwischen habe ich es wohl akzeptiert. Es stört mich nicht mehr so sehr alleine zu erwachen, alles erscheint in bester Ordnung. Nichts in der Wohnung erinnert noch an dich, alles ist weg, verpackt, vergraben, versteckt, aus den Augen aus dem Sinn, einfach egal.
Aber warum erinnert mich immer noch alles an dich? Dein Gesicht überall, dein Duft immer noch vorhanden, deine Stimme fern in meinen Ohren, flüsternd leise und doch klar zu vernehmen…jeden Morgen, alleine und immer wieder wandern meine Gedanken zu dir…woran hat es gelegen? Ich weiß es nicht…
Die Geister erscheinen stets Nachts und Erinnerungen werden gerne von ihnen in jener Dunkelheit geweckt…aus ihnen erwache ich mit Fragen, Fragen deren Antwort ich kenne, aber nicht verstehe…Funken der Erinnerung glimmen auf, ein einsames Feuer, das letzte schwache Glühen einer Birne in ferner Finsternis bevor der Faden in ihr zerspringt und das letzte was ich sehe deine Konturen sind…
Ich habe akzeptiert aber ich habe nicht begriffen…als Du das letzte mal durch unsere Türe gingst hoffte ich insgeheim auf Rückkehr, hoffe ich auf Happy End, hoffte ich zu verstehen, hoffte ich vergebens…
Ratternd gibt der Rollladen am Fenster Laut von sich: Die Bäume biegen sich heftig unter einer kurzen aber gewaltigen Böe und wiegen wieder zurück. Da löst sich ein Blatt sich aus der Krone, überschlägt sich und schwebt dann langsam Richtung Boden… nein, es ist nicht der Fall der schmerzt… zurück in die Realität, raus aus der Gedankenwelt und nicht zurücksehen… und doch: Wege erscheinen trostlos und leer wenn man sie alleine beschreitet, Räume groß und einsam wenn man sie verlässt und erdrückend wenn man sie davor betritt… gefangen mit den eigenen Gedanken.
Stetes Schweigen zu Tisch, denn Radios sind da schlechte Partner und irgendwo schmeckt alles gleich… In solchen Momenten wird die neu gewonnene Freiheit zu Last, ich wünschte ich könnte dir noch sagen was mir auf dem Herzen liegt, aber ungehörte Wort sind das gleiche wie leere Räume: nutzlos…
Scheinbar mühelos setzt das Blatt am Boden auf, wird unsichtbar zwischen all den anderen Blättern und nur noch goldener Schimmer bleibt zurück…von meinem Platz aus kann ich es gut sehen und ungehörte Worte schleichen über meine Lippen:
du fehlst mir…
Jun
Von der Zukunft
by der Kaiser in Fürs Notizbuch, Gedankensalat, Geschichten
Eines Tages kam der Meister zum Schüler der am Rande eines Sees saß und gedankenverloren auf das Wasser sah. „Über was sinnierst Du so angestrengt?“ fragte der Meister. Der Schüler erschrak: „Oh Meister!“ sagte er, „Ihr wisst das meine Lehrzeit bei euch bald ein Ende finden wird und ich weiß nicht was ich danach machen soll. Es gibt so viele Möglichkeiten die sich vor mir erstrecken, woher soll ich wissen welche die beste ist?“
„Nichts leichter als das!“ meinte der Meister und lies sich vom Schüler sein Notizbuch geben. Er klappte es an einer Stelle auf, nahm einen Stift und schrieb etwas hinein. Dann klappte er es zu und sagte zum Schüler: „Hier habe ich reingeschrieben was für Dich das beste für die Zukunft ist. Möchtest Du wissen was da drin steht?“
„Natürlich!“ antwortete der Schüler.
Da warf der Meister das Buch in den See. Der Schüler war außer sich: „Warum habt Ihr das getan? Woher soll ich nun wissen was ihr geschrieben habt?“
„Die Zukunft,“ begann der Meister, „kann genauso wenig eingesehen werden wie das das Buch das sich auf dem Grund dieses Sees befindet. Aber ihr könnt in den See steigen und das was für euch am Besten ist suchen, dann habt ihr die größten Chancen es zu finden!“


