{"id":110,"date":"2007-01-26T10:09:55","date_gmt":"2007-01-26T09:09:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.yumachi.de\/?p=110"},"modified":"2007-01-26T10:09:55","modified_gmt":"2007-01-26T09:09:55","slug":"about-wurstede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.yumachi.de\/?p=110","title":{"rendered":"about Wurstede&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Mir gegen\u00fcber, sa\u00df einst der Kollege Wurstede! Auf den ersten Blick machte Wurstede nie einen schlechten Eindruck. Er war etwas j\u00fcnger als ich, kam stets leger im Anzug gekleidet daher, war nie unfreundlich, nie zornig und verstand es auch sonst Gef\u00fchlsregungen effektiv zu unterdr\u00fccken. Wurstedes Lieblingsthemen waren Frageb\u00f6gen und Steuer und er besa\u00df dieses so gern gesehene Talent bei einem Thema einvernehmlich erst f\u00fcr die eine, dann f\u00fcr die andere Seite zu stimmen um am Ende anregte seine Entscheidung nochmals \u00fcberdenken zu wollen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich genoss f\u00f6rmlich die Zeit mit ihm im B\u00fcro. Er sa\u00df mir gegen\u00fcber, hackte gerne dabei Namen in eine Tabelle und gab sich ganz seiner Arbeit hin. H\u00e4tte nicht das stetige Klackern der Tastertur und das gelegentliche Klicken einer Maustaste die Stille zerrissen, so w\u00e4ren wir in einem Meer von Stille wohl ger\u00e4uschlos ertrunken. Nein, Wurstede war nicht unbedingt das was man gespr\u00e4chig nennen konnte. Die wenigen Dinge die wir mal dann besprachen waren eher belanglos. Er gab nie viel von sich oder anderen Dingen Preis, ausgenommen halt seine Frageb\u00f6gen und halt Steuer. Er war verlobt, abonnierte eine Fachzeitschrift zum Steuerrecht und hatte eine kleine Schw\u00e4che f\u00fcr lustige Pr\u00e4sentationen die man von B\u00fcro zu B\u00fcro gelegentlich austauschte.<\/p>\n<p>An einem Montag fragte ich ihn wie sein Wochenende gewesen sei. Gut gab er als Antwort zur\u00fcck und hackte wieder in seine Tasten. Was er denn gemacht habe das es gut gewesen sei bohrte ich nach. Er sah kurz auf, dreht sich dann mit seinem B\u00fcrostuhl in Richtung Fenster und sah durch seine modische Brille hinaus in die Ferne. Vielleicht brauchte er etwas Zeit um aus den Zeichen am Himmel eine Antwort abzulesen, jedenfalls verging etwas Zeit bis er erz\u00e4hlte, er sei mit seiner Verlobten auf einer Studentenparty gewesen. Die w\u00e4re aber nicht so gut gewesen, doch ich w\u00fcsste ja sicher selbst wie Studentenparties so seien. Damit drehte er sich wieder zu seinem Monitor und bearbeite seinen Fragebogen weiter. Danach habe ich ihn auch nicht mehr wirklich nach seinem Wochenende gefragt.<\/p>\n<p>Noch nie steckte so wenig Leben in einen Anzug.<\/p>\n<p>Doch warum nannte ich ihn eigentlich Wurstede? Steuerpaule, Fragebogenfranz oder Tastentheo w\u00e4ren nach den vorliegenden Informationen sicher treffendere Namen. Er sah auch nicht aus wie ein Ede, vielmehr wie ein Karl oder ein Horst.<br \/>\nEs ergab sich an einem Freitag das ich Wurstede zum ersten mal wie einen Wasserfall reden h\u00f6rte. Ich hatte gerade einen Beitrag \u00fcber die Vielfalt zu kaufender Gegenst\u00e4nde im Internet gelesen und warf ungefragt das Statement in die Runde das es fast schon nichts g\u00e4be was man nicht im Internet erwerben k\u00f6nnte. An sich war das nur der gedankenlose Versuch f\u00fcr ein weiteres kurzes Gespr\u00e4chsgepl\u00e4nkel doch Wurstede \u00fcberraschte mich.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nne bereits alles im Internet kaufen, begann er aufbrausend. ebay w\u00e4re das beste Beispiel daf\u00fcr! Einst h\u00e4tte er feststellen m\u00fcssen, dass man bei ebay sogar Wurst erwerben k\u00f6nne. das m\u00fcsse man sich vorstellen: Wurst!!!<br \/>\nDiese Eruption, ja eher schon Eskalation von Gef\u00fchlen in Kombination mit seinem Inhalt \u00fcberw\u00e4ltigten mich. es war nicht das es nicht bereits gewusste hatte das es bei ebay auch Wurst zu kaufen gab, als viel mehr die Art und Weise von Wurstede, die mich zu der folgenden Antwort verleitete: &#8222;Neeeee? Mach keinen Scheiss!&#8220;<\/p>\n<p>Vorlage genug f\u00fcr Wurstede um sich noch mehr nach oben zu schrauben. Es folgte eine halbst\u00fcndige, umfangreiche Schilderung der Ereignisse die sich einstellten als er herausfand das ebay auch Wurst verschleuderte: Erst war es eine fixe idee, dann nur ein dummer Gedanke und schlie\u00dflich die Neugier, die ihn die Frage nach den Umfang des Angebotes bei ebay beantworten lies. Er fand heraus das bei ebay Schinken in allen Variationen und Gewichtsklassen erh\u00e4ltlich war, das sich Salami und Fleischwurst dem Anschein nach schon lange einen Platz bei ebay teilten und der Erwerb aus Hotels geklauter Klopapierrollen keine Mysthik aus der Internetwelt ist. So wie die Begriffe fielen, so \u00fcberpr\u00fcfte ich diese bei ebay, best\u00e4tigte ein jedes mit Spruch wie: &#8222;Tats\u00e4chlich! Schinken! Unglaublich!&#8220; oder &#8222;Neee, echtes Klopapier aus dem Adlon in Berlin! Das ist ja Wahnsinn&#8220;<\/p>\n<p>Was immer er suchte, er fand es bei ebay und seine Welt wurde um die Regel erweitert, das alles im Internet zu kaufen sei. Na ja, ganz sicher nicht alles antwortete ich darauf. Er sah mich herausfordernd an und fragte mich was es denn nicht im Internet zu kaufen g\u00e4be? Mett war meine Antwort. Er suchte daraufhin bei ebay, \u00fcber google und vielleicht auch \u00fcber amazon: er fand kein Mett zu kaufen! Seine Welt geriet f\u00fcr einen Moment erneut ins Wanken. Es ist nur eine Frage der Zeit stie\u00df er als letztes hervor, dann nahm er wieder seinen Fragebogen und komponierte wieder mit der Tastertur.<\/p>\n<p>Wurstede war geboren!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mir gegen\u00fcber, sa\u00df einst der Kollege Wurstede! Auf den ersten Blick machte Wurstede nie einen schlechten Eindruck. Er war etwas j\u00fcnger als ich, kam stets leger im Anzug gekleidet daher, war nie unfreundlich, nie zornig und verstand es auch sonst Gef\u00fchlsregungen effektiv zu unterdr\u00fccken. 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