{"id":250,"date":"2008-03-17T16:30:08","date_gmt":"2008-03-17T15:30:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.yumachi.de\/2008\/03\/17\/erkenntnis\/"},"modified":"2008-03-17T16:30:08","modified_gmt":"2008-03-17T15:30:08","slug":"erkenntnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.yumachi.de\/?p=250","title":{"rendered":"Erkenntnis"},"content":{"rendered":"<p>Samstagnachmittag im \u00f6rtlichen Supermarkt bei mir um die Ecke. Leicht verschlafen, trage ich gekonnt zur kaum wahrnehmbaren, einschl\u00e4fernden Gedudel der hiesigen Musikanlage, meinen Einkaufskorb durch die nahezu vereinsamten, leeren G\u00e4nge. Warum an einem Samstag die meisten Leute unbedingt am Vormittag einkaufen gehen kann ich mir nicht erkl\u00e4ren, aber was soll&#8217;s? So habe ich zumindest meine Ruhe.<\/p>\n<p>Keines der gef\u00fcllten Regal macht den Eindruck das hier etwas jetzt und auch in ferner Zukunft jemals  mal Mangelware sein k\u00f6nnte. Zahlreiche K\u00fche grinsen mich fast schon zu fr\u00f6hlich von diversen Packungen an und preisen mit einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit auf ihren niedrigen Anteil an Fetten und dem hohen Anteil an lebensnotwendigen und nicht notwendigen-aber-sollte-man-dennoch-haben vorbeugenden Gesundheitsstoffen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch greife nach dem wei\u00dfen Gold im handlichen Tetra Pack und lass es behutsam in den Einkaufskorb gleiten. Eine P\u00e4ckchen sollte f\u00fcrs Wochenende reichen! Einen Schritt weiter stapeln sich K\u00e4sescheiben in ihren Brutk\u00e4sten und jede schreit stumm Dinge wie &#8222;Nimm mich! Nimm mich!&#8220; oder &#8222;Ich bin billiger und w\u00fcrziger im Geschmack!&#8220; &#8211; die Qual der Wahl.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich meinen Blick auf eine qualhafte Auswahl an K\u00e4se wandern lasse &#8211; schiebt sich ein Einkaufwagen an mir vorbei. Antreibende des Wagens ist ein kleines M\u00e4dchen, vielleicht 6 oder 7 Jahre alt, das sich nahezu auf Augenh\u00f6he mit dem Griff des Wagens befindet. Neben ihr steht ihr Vater, ein m\u00fcrrisch drein blickender Mann mit einer gro\u00dfen Brille und sp\u00e4rlichen Haarwuchs auf dem Kopf. Er macht mir den Eindruck als w\u00e4ren die besten Jahre seines Lebens nur noch ein vage Erinnerung. Schulter wie Mundwinkel hingen schlaff herab.<\/p>\n<p>Anders das M\u00e4dchen: ein wahrer Sonnenschein! Sie hat Spa\u00df einkaufen zu gehen und sie zeigt es: Sie strahlt \u00fcber das ganze Gesicht! Sie ist Teil von etwas Besonderem und l\u00e4sst sich das nicht vermiesen. Ihrem Vater beantwortet sie fr\u00f6hlich jede brummend gestellte Frage mit Hilfe des Zettels in ihrer Hand. <\/p>\n<p>&#8222;Brochn wia Woscht?&#8220;<br \/>\n&#8222;Nein Papa! Die brauchen wir nicht!&#8220;<br \/>\n&#8222;Brochn wia K\u00e4\u00e4s?&#8220;<br \/>\n&#8222;Ja Papa!&#8220;<\/p>\n<p>Der Vater greift wahllos in das K\u00e4seregal, zieht eine Packung heraus und wirft sie achtlos in den Wagen,<\/p>\n<p>Da passiert etwas: Der Kopf des M\u00e4dchens verf\u00e4rbt sich in ein traumhaftes Weinrot, die Backen aufgeplustert und Wut blitzt in ihren Augen auf. Zwar passiert das alles in wenigen Sekunden aber dennoch beschleicht mich der Gedanke der Kopf des Sonnenscheinchens k\u00f6nnte explodieren. Doch bevor ich irgendwie reagieren kann bricht es aus ihr heraus:<\/p>\n<p>&#8222;PAPA!!!&#8220;<\/p>\n<p>Stille wie sie nur in der Arktis zu h\u00f6ren ist.<\/p>\n<p>&#8222;SCHMEISS DIE SACHEN NICHT IN DEN WAGEN! DAS WOLLEN WIR SCHLIESSLICH NOCH ESSEN!!!&#8220;<\/p>\n<p>Verbl\u00fcfft schaut der Vater sich sein Dezibilmonster an. W\u00e4hrend die Farbe seiner Tochter sich so langsam in gesundere Gefilde bewegt, bewegt sich seine eigene in Richtung Totenbleich. Das M\u00e4dchen zieht einen Schmollmund und schiebt mit erhobenem Kopf den Wagen weiter. Der Vater sieht ihr hinterher.<br \/>\nIch greife nach einem P\u00e4ckchen K\u00e4se, lege ihn behutsam in den Korb und bewege mich am Mann vorbei. Nein, ein Glucksen kann ich mir nicht vermeiden und noch weniger ein Grinsen als ich ihn murmeln h\u00f6re: <\/p>\n<p>&#8222;Verdammt! <em>Sie kommt nach ihrer Mutter!<\/em>&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstagnachmittag im \u00f6rtlichen Supermarkt bei mir um die Ecke. Leicht verschlafen, trage ich gekonnt zur kaum wahrnehmbaren, einschl\u00e4fernden Gedudel der hiesigen Musikanlage, meinen Einkaufskorb durch die nahezu vereinsamten, leeren G\u00e4nge. Warum an einem Samstag die meisten Leute unbedingt am Vormittag einkaufen gehen kann ich mir nicht erkl\u00e4ren, aber was soll&#8217;s? 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