{"id":384,"date":"2009-01-08T09:20:31","date_gmt":"2009-01-08T08:20:31","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.yumachi.de\/?p=384"},"modified":"2009-01-08T09:20:31","modified_gmt":"2009-01-08T08:20:31","slug":"der-geschmack-von-schnee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.yumachi.de\/?p=384","title":{"rendered":"Der Geschmack von Schnee"},"content":{"rendered":"<p>K\u00e4lte besitzt keine Farbe nur Sch\u00e4rfe. Die kalte Luft l\u00e4sst lediglich unsere Gesichter err\u00f6ten w\u00e4hrend wir an unserem Platz auf der kleinen Br\u00fccke stehen. Der kleine Fluss \u00fcber den sie geht hat sich versteckt. Unter einer dicken Schicht aus Eis und Schnee zieht er weiter, ohne sich bemerkbar zu machen, seine Runden. Hinfort durch andere Gegenden und L\u00e4nder, immer weiter in Richtung des gro\u00dfen Meeres. An seinen Ufern h\u00e4ngen schlafend, struppig und zerzaust die Reste vergangenen Lebens.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDer Wind pfeift schneidend ein Liedchen, schafft es die starren Reste ein wenig hin und her zu sch\u00fctteln. Schnee wirbelt auf, zerstreut sich gem\u00e4chlich hier und da und bedeckt wie eine frisch aufgesch\u00fcttelte Decke die Spuren aller Leberwesen. Er pfeift nicht sonderlich gut: Seine Melodie zieht sich in die L\u00e4nge, wird schrill und hoch, unterstreicht aber das Wesen der einseitigen Landschaft. W\u00fcrde der Wind nicht singen, w\u00e4re dies der Geburtsort jeder Stille.<br \/>\nAuf unseren linken Seite ein dunkles Geh\u00f6lz. D\u00fcster und bedrohlich schreckt es jeden Gedanken W\u00e4rme ab. Es erscheint mir als wurden s\u00e4mtlichen T\u00f6nen hinaus gel\u00f6scht, keine Vielfalt nur Eint\u00f6nigkeit in Melodie und Bild. Und mittendrin wir beide in unseren M\u00e4nteln, unseren Stiefeln, unseren M\u00fctzen, Handschuhen und unseren Spuren im Schnee. Bei diesem Gedanken f\u00fchle ich mich unwohl, zu viel Kontrast, ein winziger Fleck auf der leeren Landschaft. In solchen Momenten wirkt Farbe fehl am Platze aber farblose Kleidung mag niemand anziehen.<\/p>\n<p>Du stehst da, \u00fcber das Gel\u00e4nder gebeugt, in die Ferne schweifend. In deinem Fleecepullover aus warmen Terracotta, den marineblauen Handschuhen, deinem langen Rock aus rotem Rost, deinen so tief sich im Schwarz verlierenden Stiefeln erhebst du dich aus der Umgebung. Deine blonden Haare flie\u00dfen aus deiner warmen mausgrauen Wollm\u00fctze und verfestigen sich in einem einfachen Zopf. Eine K\u00f6nigin in dieser Welt in der Farben ohne Einwirkung von selbst zu leuchten beginnen.<br \/>\nSo wie deine gr\u00fcnen Augen. In ihnen brennt in Momenten wie diesen mehr Leben als jemals zu zuvor und wenn du mich ansiehst dann kann ich die Reflektion meines Spiegelbildes darin entdecken. Was magst du gerade denken? Denkst du an uns? Denkst du an das Leben? An diese auf den ersten Blick scheinbar tot Welt? Was denkst du?<\/p>\n<p>Dein Mund \u00f6ffnet sich und Worte l\u00f6sen die Stille in den Augenblicken ab in denen der Wind wieder zu Atem kommt. Ich sauge die Worte auf ohne ihnen wirklich Aufmerksamkeit zu schenken. Ich verstehe ihren Inhalt auch so.<br \/>\nDu ergreifst meine Hand und schenkst mir ein w\u00e4rmendes, helles L\u00e4cheln, dann schaust du wieder in die Ferne. Dann und wann kann ich deinem Atem sehen der in den fies, schmutzig grauen Hintergrund kleine Bilder hineinzeichnet. Kleine Kunstwerke, scharf gezeichnet, die sich von Sekunde zur Sekunde ver\u00e4ndern, variieren, aufweichen und letztendlich wie der Geschmack eines Bonbons auf der Zunge im Raum entfalten.<\/p>\n<p>Ich denke \u00fcber uns nach, war es nicht ein Tag wie dieser gewesen? Die Schule war vorbei und auf den Weg nach Hause alberte ich mit ein paar Freunden rum. Wir bewarfen uns gegenseitig mit Schneeb\u00e4llen, versteckten uns hinter verschneiten Autos und B\u00e4umen. Ich hatte mich aus meinem Versteck hinter einen Wagen in die N\u00e4he meiner Freunde geschlichen. Die H\u00e4nde voller Schneeb\u00e4lle, gewappnet zum Kampf, brachte ich mich in bester Schussposition: Direkt hinter ihnen. Mit einem Triumphschrei erhob ich mich da traf mich etwas furchtbar kaltes am Hinterkopf. Ich lies die B\u00e4lle fallen und drehte mich um. In einigem Abstand standest du mit dem s\u00fc\u00dfesten L\u00e4cheln und zwinkerte mir zu. Wie gebannt starrte ich dich an. Dann trafen mich die anderen und seiften mich furchtbar ein.<\/p>\n<p>Inzwischen hat es angefangen zu schneien. Schneeflocken, saftig gro\u00dfe wie feine kleine regnen hinab und setzten sich wie Puderzucker auf die Welt. Ich \u00f6ffne meinen Mund und strecke meine Zunge hinaus. Der Schnee schmilzt auf meiner Zunge kaum hat er sie ber\u00fchrt.<br \/>\nIm Glanz des fr\u00f6hlichen Kristalltanzes um uns herum fragst du mich wie Schnee schmeckt. <\/p>\n<p>Ich k\u00fcsse Dich liebevoll.<\/p>\n<p>Genau so\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00e4lte besitzt keine Farbe nur Sch\u00e4rfe. Die kalte Luft l\u00e4sst lediglich unsere Gesichter err\u00f6ten w\u00e4hrend wir an unserem Platz auf der kleinen Br\u00fccke stehen. Der kleine Fluss \u00fcber den sie geht hat sich versteckt. Unter einer dicken Schicht aus Eis und Schnee zieht er weiter, ohne sich bemerkbar zu machen, seine Runden. 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