{"id":59,"date":"2006-08-14T22:31:48","date_gmt":"2006-08-14T20:31:48","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.yumachi.de\/?p=55"},"modified":"2006-08-14T22:31:48","modified_gmt":"2006-08-14T20:31:48","slug":"erbarmlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.yumachi.de\/?p=59","title":{"rendered":"Erb\u00e4rmlich"},"content":{"rendered":"<p>Floyd musste sich beeilen um die S-Bahn noch rechtzeitig zu erwischen. Um das Gleis zu erreichen musste er \u00fcber eine Br\u00fccke hinweg und eine Treppe hinab. Als er die Br\u00fccke betrat konnte er an deren Ende bereits die S-Bahn einfahren sehen. Er legte eine Zahn zu, spurtete die Br\u00fccke entlang und nahm bei der Treppe gleich zwei Stufen auf einmal. Seine M\u00fche zahlte sich aus: Er konnte den T\u00fcrschalter noch bet\u00e4tigen bevor dessen Licht aufh\u00f6rte zu leuchten. Erleichtert betrat er die Kabine, setzte sich auf einen freien Platz am Gang nahe an der T\u00fcre, holte sein Buch hervor und begann zu lesen. Die S-Bahn setzte sich in Bewegung und nahm langsam an Fahrt auf. Wenige Minuten sp\u00e4ter kam sie bereits an der n\u00e4chsten Haltestelle wieder zum stehen. Die T\u00fcr schoben sich mit einem Zischen zur Seite und kamen kurz darauf wieder zischend zusammen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201eDa drau\u00dfen liegt jemand!\u201c sagte ein Fahrgast.<\/p>\n<p>Floyd sah auf. Eine bebrillte Frau, kr\u00e4ftig gebaut und mit kurzen Haaren, \u00f6ffnete die T\u00fcre und trat hinaus. Einem Jungen mit kurzen Haaren der ebenfalls an der T\u00fcre wies sie an die T\u00fcre zu blockieren damit die Bahn nicht weiter fahren konnte. Der Junge gehorchte und stelle sich zwischen die Lichtschranken.<br \/>\nVon seinem Platz aus konnte Floyd nicht besonders gut sehen, zwischen den Sitzen hindurch konnte er lediglich sehen wie ein junges M\u00e4dchen am Boden kniete und sich ihr blutiges Kinn hielt. Ihre Augen waren glasig, so ganz schien sie nicht zu begreifen was passiert war und das es sich um ihr eigenes Blut handelte das zwischen ihren Fingern entlang rann. Sie hatte schulterlanges, leicht lockiges braunes Haar und ein nettes Gesicht. Die Frau hatte sich neben sie hingehockt, gab ihr ein Taschentuch und schien mit ihr zu reden.<\/p>\n<p>\u201eDa ist jemand hingefallen!\u201c ert\u00f6nte es wieder.<\/p>\n<p>Um Floyd herum begannen die Leute aufzustehen. Wie eine Schar H\u00fchner reckten sie die H\u00e4lse auf der Suche nach Futter. Floyd blieb sitzen und sah dem Jungen zu der gebannt hinaus sah und es nicht bemerkte wie ihn die T\u00fcren immer wieder ver\u00e4chtlich zischend anstubsten.<\/p>\n<p>Inzwischen kam der Fahrer der S-Bahn zum Schauplatz des Geschehens. Er redete kurz mit der Frau, erkundigte sich nach der Lage und ging dann zur\u00fcck in seine Fahrerkabine. Der Lautsprecher knackte los: \u201eSehr geehrte Fahrg\u00e4ste. Auf Grund eines Personenunfalls wird sich unsere Weiterfahrt etwas verz\u00f6gern. Ich muss einen Notarzt rufen.\u201c<\/p>\n<p>Gemurmel und Gemurre machte sich unter den Fahrg\u00e4sten breit und vermischte sich mit den zischenden St\u00f6\u00dfen der T\u00fcre, die es immer noch nicht aufgegeben hatte den Jungen zu bel\u00e4stigen.<\/p>\n<p>\u201eH\u00e4tte ich blo\u00df den Mund gehalten, dann w\u00e4re wir jetzt weiter&#8230;\u201c jammerte der Fahrgast.<\/p>\n<p>Floyd sah sich um, konnte aber nicht die Quelle dieses Satzes ausfindig machen.<\/p>\n<p>Der Fahrer kam ein paar Momente sp\u00e4ter wieder aus seiner Kabine und ging wieder hinaus zum M\u00e4dchen und der Frau. Floyd konnte lediglich verstehen wie die Frau etwas in der Richtung sagte, das sie hier beim M\u00e4dchen bleiben w\u00fcrde bis der Arzt k\u00e4me. Der Fahrer nickte kurz und sah zu wie die Frau das M\u00e4dchen zu einer Bank f\u00fchrte. Dann ging er am Jungen vorbei, der nun in einer Art von Trance (wie Floyd befand) einen Schritt zur\u00fcck tat, wieder zur\u00fcck zu seiner Fahrerkabine und kurz darauf setzte sich die S-Bahn wieder in Bewegung.<\/p>\n<p>\u201eNa also!\u201c<\/p>\n<p>Floyd klappte das Buch zusammen und sah hinaus aus dem Fenster. Eine gewisse Traurigkeit machte sich in ihm breit, er f\u00fchlte sich erb\u00e4rmlich und sch\u00e4mte sich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Floyd musste sich beeilen um die S-Bahn noch rechtzeitig zu erwischen. Um das Gleis zu erreichen musste er \u00fcber eine Br\u00fccke hinweg und eine Treppe hinab. Als er die Br\u00fccke betrat konnte er an deren Ende bereits die S-Bahn einfahren sehen. 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