{"id":659,"date":"2010-08-27T00:33:21","date_gmt":"2010-08-26T23:33:21","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.yumachi.de\/?p=659"},"modified":"2010-08-27T00:33:21","modified_gmt":"2010-08-26T23:33:21","slug":"da-wo-du-hingehorst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.yumachi.de\/?p=659","title":{"rendered":"Da wo Du hingeh\u00f6rst"},"content":{"rendered":"<p>Normalerweise w\u00fcrde im Kalender heute ein dicker Kringel vermerkt sein. Gro\u00df, dick und in leuchtend roter Farbe. Ich bin kein Mensch der sich gut Termine merken kann, das war schon zu Schulzeiten so, da verl\u00e4ngerte sich das Ende des 2ten Weltkrieges auch schon mal gerne um 2 Monate. Nein, Termine waren noch nie eine St\u00e4rke von mir, weswegen ich dazu neige alles an Terminen in Kalendern aller Art einzutragen. Wenn es eine Funktion in meinem Handy am meisten nutze, dann die des Kalenders. An sich brauche ich keine Wandkalender, daf\u00fcr habe ich ja das Handy, doch manche Dinge sind so wichtig dass ich sie mir besser merken kann wenn ich sie zuvor auf Papier markiert habe. So brennt es sich in meinem Kopf ein und ich kann sicher gehen es nicht zu vergessen. Ein Verhalten, was Dich immer zu kleinen bissigen Bemerkungen verf\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Heute ist allerdings kein Kringel im Kalender und ich brauche auch nicht in den Kalender meines Handys zu sehen. Ich wei\u00df was f\u00fcr ein besonderer Tag heute ist und ich wei\u00df das ich ihn auch nie wieder vergessen werde, denn er ist mit Dir verkn\u00fcpft.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAn sich muss ich mich gar nicht mehr an diesen Termin erinnern, denn seit unserem letzten richtigen Treffen sind viele Tage vergangen und noch mehr seit unserem letzten Kuss. Ich wei\u00df auch nicht so wirklich was Du machst oder wo Du steckst. Trotzdem warst Du mir immer pr\u00e4sent in mir: Eines Nachts hatte ich einen Traum, einen Traum von Dir. Ich tr\u00e4umte wie ich im Zug sa\u00df und die Landschaft an mir vorbeizog. Ich hatte keine Ahnung wohin ich fuhr und sonderlich bekannt kam mir die Landschaft auch nicht vor. Ich schaute mich in dem Gro\u00dfraumwagen um, doch au\u00dfer mir sa\u00df niemand im Zug. Am Ende des Wagens \u00f6ffnete sich mit einem behutsamen Zischen eine T\u00fcr und der Schaffner trat hinein. Fast schon automatisch kramte ich in meine Taschen, fand aber keinen Fahrschein. Der Schaffner kam auf mich zu und blieb bei mir stehen. Er hatte einen buschigen, leicht angegrauten Walrossbart und freundlich, funkelnde Augen.<\/p>\n<p>&#8222;Es tut mir leid&#8230;&#8220; begann ich, &#8222;doch ich habe keinen Fahrschein bei mir.&#8220;<br \/>\n&#8222;Das sehe ich anders&#8220; sagte er in einem beruhigenden tiefen Ton, &#8222;H\u00e4tten Sie keinen Fahrschein, w\u00e4ren Sie gar nicht erst hier mein Herr.&#8220;<br \/>\n&#8222;\u00c4h, ehrlich gesagt verstehe ich nicht so ganz was sie meinen&#8230;&#8220;<br \/>\n&#8222;Ganz einfach, wenn sie sich auf etwas einlassen, eine Reise begeben, dann haben sie bereits einen Fahrschein bei sich. Sie verlieren ihn erst dann wenn sie die Reise abbrechen oder aber ihr Ziel erreichen.&#8220;<br \/>\n&#8222;Mein Ziel? Aber ich wei\u00df doch gar nicht wo mein Ziel sein soll&#8220;<br \/>\nDer Schaffner lachte freundlich aber kr\u00e4ftig, so dass die Pfeife die an seinem G\u00fcrtel befestigt war vergn\u00fcgt auf und ab h\u00fcpfte. &#8222;Das Ziel mein Herr erkennen Sie wenn Sie angekommen sind. Folgen Sie nur Ihrem inneren Kompass&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Verwirrt sah ich ihn an. <\/p>\n<p>&#8222;Glauben Sie mir, es hat alles seinen Grund, genauso wie es einen Grund hat, weswegen Sie gerade am heutigen Tage mit unserer Bahn verreisen&#8220;<br \/>\n&#8222;Was ist denn heute f\u00fcr ein Tag?&#8220;<br \/>\n&#8222;Aaah! Sieht so aus als k\u00e4men wir zu Ihrer Station, hier m\u00fcssten sie aussteigen mein Herr.&#8220; brummte der Schaffner freundlich und ging langsam weiter.<br \/>\n&#8222;Aber wo soll ich denn hin? Und wo bin ich hier?&#8220;<br \/>\n&#8222;Da wo sie hingeh\u00f6ren&#8220; sagte der Schaffner ohne sich nochmal umzudrehen. &#8222;F\u00fcr den Rest des Weges nutzen Sie Ihren Kompass.\u201c<\/p>\n<p>Der Zug wurde langsamer und langsamer bis er schlie\u00dflich an einem kleinen Gleis zum Halt kam. Ich stand auf und stieg aus dem Zug. Kaum war ich ausgestiegen, schloss sich die T\u00fcre wieder, aus der Ferne ert\u00f6nte ein Pfiff und gem\u00e4chlich schnaubend setzte sich der Zug wieder in Bewegung.<\/p>\n<p>Ich sah mich um und sah auf das Stationsschild auf welchem stand: &#8222;Da wo Du hingeh\u00f6rst!&#8220; Emsiges Kopfsch\u00fctteln. Innerlich hatte mich eine Unruhe erfasst, jedoch konnte ich nicht eingrenzen woher diese Unruhe kam. Etwas trieb mich an. Nur was? Ich konnte es mir nicht erkl\u00e4ren.<br \/>\nVom Bahnsteig aus f\u00fchrten lediglich zwei Wege in unterschiedliche Richtungen. Das zum Weg dazugeh\u00f6rige Schild war wenig aussagekr\u00e4ftig: So gab es einen Weg der mit einem &#8222;!&#8220; gekennzeichnet war und einen mit einem &#8222;?&#8220;. Welche Richtung sollte ich einschlagen? Erneut sah ich mich um aber nichts von der sp\u00e4rlichen Landschaft um mich herum gab mir irgendeinen brauchbaren Hinweis, es war einfach frustrierend.<br \/>\nLetzten Endes entschied ich mich f\u00fcr das &#8222;?&#8220; obwohl ich sicherlich keine logische oder sinnvolle Grundlage daf\u00fcr bieten konnte. Es hatte sich einfach nur f\u00fcr einen winzigen Moment richtig angef\u00fchlt, das war alles was ich dazu sagen konnte.<\/p>\n<p>Der Weg m\u00fcndete an einem Flussufer. Ich genoss den Anblick des dahinziehenden Wassers, es hatte etwas beruhigendes und vertrautes an sich. Unweigerlich dachte ich an die vielen Augenblicke wo ich zum Fluss, zum Meer geblickt hatte und in Gedanken ihnen meine Sorgen und Sehns\u00fcchte anvertraut hatte. War ich am Fluss so hatte ich stets das Gef\u00fchl der Fluss w\u00fcrde meine Sorgen ins Meer tragen wo sie dann langsam zu Boden glitten und mit der Zeit zerfielen. War ich am Meer oder hatte der Fluss das selbige erreicht, so hatte ich das Gef\u00fchl von etwas Beschwerendes erleichtert worden zu sein.<\/p>\n<p>Allerdings, wusste ich dieses Mal nichts ihm anzuvertrauen. Lediglich die Frage nachdem was mich hierher kommen lie\u00df besch\u00e4ftigte mich. Ich schlenderte am Flussufer entlang, vorbei an den sorgsam restaurierten Prachtgeb\u00e4uden des letzten Jahrhunderts. Niemand war unterwegs au\u00dfer mir und so sch\u00f6n die Landschaft auch war an der mich der Weg vorbei f\u00fchrte, er trug nicht dazu bei das ich mich besser f\u00fchrte. <\/p>\n<p>Wie lange ich letzten Endes unterwegs war, vermag ich nicht zu sagen, doch mit einem Mal kam ich an einer kleinen Aussichtsplattform vorbei auf der jemand stand und auf den Fluss sah. Langsam ging ich auf die Person zu als sie ich erkannte: Du warst jene Person die dort stand. Du sahst hinaus auf den Fluss. Ich erschrak, damit hatte ich nicht gerechnet. W\u00e4hrend ich starr stehen blieb, gab mein Herz einen tiefen Seufzer von sich. Hattest Du es seufzen geh\u00f6rt? Du drehtest Dich um und sahst mich mit w\u00e4ssrigen Augen und einem hauchfeinen, warmen L\u00e4cheln an.<\/p>\n<p>Und da wusste ich was f\u00fcr einen Tag wir heute hatten&#8230;<\/p>\n<p>Danach wachte ich auf. Ich drehte mich wieder um und versuchte wieder einzuschlafen und weiter zu tr\u00e4umen aber ohne Erfolg. Stattdessen lag ich dar und schaute aus dem Fenster hinaus in das aufgehende Tageslicht. Heute war Dein Tag!<\/p>\n<p>Seitdem, begebe ich mich jedes Jahr an diesem Tag auf die Suche nach Dir. Ich suche Dich dort, wo Wasser flie\u00dft, an gro\u00dfen Fl\u00fcssen, am Meer. ich suche Dich um Dir zu sagen:<\/p>\n<p>Dir meine Liebe: alles Gute zum Geburtstag!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Normalerweise w\u00fcrde im Kalender heute ein dicker Kringel vermerkt sein. Gro\u00df, dick und in leuchtend roter Farbe. Ich bin kein Mensch der sich gut Termine merken kann, das war schon zu Schulzeiten so, da verl\u00e4ngerte sich das Ende des 2ten Weltkrieges auch schon mal gerne um 2 Monate. 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