Niemals wieder



Ein jeder hat in seinem Leben mal Dinge getan von denen er später aus Überzeugung sagt: Niemals wieder!
So erging es mir als ich das erste Mal eine Küche aufbaute, den Film Pearl Harbour sah oder bei jedem Mal wo ich einen über den Durst getrunken hatte. Seit letzten Sonntag gibt es eine weitere Sache aufzuzählen: Die Reinigung meines Backofens.

Wer es schon mal gemacht hat wird schnell merken das es der handelsübliche Backofen an sich einige schwierige Ecke besitzt an denen die Reinigung auch durch den Einsatz filigraner Frauen- oder Kinderhände zu gelingen vermag. Bei mir ist das die Fläche die sich direkt unterhalb der verglasten Ofentüre befindet.

Die Experimente mit dem Backofen in den letzten Jahren Monaten Wochen hatte zur Bildung einer schweinebratenkrustenfarbenen Schicht geführt die, wenn man so mit dem Finger drüber strich, so manchem Schmieröl sicherlich ernsthaft Konkurrenz gemacht hätte. Ich weiß nicht ob es ungünstige Lichtreflexionen oder schlicht weg ein Ausritt meiner Fantasie durch den Alkohol war, doch hatte ich das Gefühl in jenem Soßenfilm aus Speck mehr zu erahnen als gut war. Hatte es sich bewegt? Gab es ein Anzeichen von Leben in jener natürlich gewachsenen Schicht? Und wenn es lebte musste ich dann es dann als Haustier anmelden?

Wie auch immer, es bestand Handlungsbedarf: Ich beschloss meinen Ofen zu putzen.

Nach dem allüblichen Prozedere, dem Verteilen und einwirken lassen eines Reinigungsmittels schrubbte ich mit viel heißem Wasser und einem jungfräulichen Lappen den Ofen bis ich zu jener Stelle kam an dem die Türe mich vom Erfüllen meiner Aufgabe mich trennte. Was machen?
Da kam mir ein Gedanke: Irgendwo hatte ich mal gelesen das man die Türe eine Ofens aushängen konnte um eben jene Stellen zu erreichen an die man sonst nicht ran kam.

Gedacht, getan!

Unter schwersten Einsatz all meiner Muskelstränge und Flüche versuchte ich die Türe aus ihrer Verankerung zu stemmen befreien, jedoch nur mit mäßigen Erfolg – und wenn für einen Mann der Einsatz von roher Gewalt sich nicht auszahlt, dann bleiben ihm zwei Lösungen: Noch mehr Gewalt oder aber der Griff zur Anleitung.

Ich entschied mich für die Gewalt, was wusste ich wo die blöde Anleitung lag? Mal ehrlich: Wofür sind die Sachen gut? Bedrucktes Papier eignet sich gut als Füllmaterial in Paketen aber ansonsten?

Am Ende suchte ich dann doch die Anleitung, nur um mal zu sehen ob die mir sagte was ich nicht schon bereits wusste. Sie tat es und beschrieb den Ausbauvorgang wie folgt: Erst die Türe vollständig öffnen, dann die Metallstifte in die abgebildeten Löcher stecken und das ganze zu sich ausheben.

Metallstifte? Was für Metallstifte? Diesem Ofen lagen nie Metallstifte bei, aber hey: Männer sind geborene Konstrukteure, bauen Brücken, reparieren Autos und all so anderes Zeug – wer wäre ich denn wenn ich keinen Ersatz dafür finden würde? Also stopfte ich Zahnstocher aus Holz in die von mir ausgemachten Löcher. Dann noch kurz geruckelt und schon gab sich die Türe mir unter einem sanften Knacken ganz und gar hin. Die Zahnstocher waren zerbrochen, aber wofür konnten die denn schon gut gewesen sein?
Unter stummen Aufschreien fusionierte der Dreck mit dem Lappen und ich sah das es gut war. Nur noch schnell die Türe eingesetzt und alles war gut, so dachte ich mir doch nichts war gut: Die Türe lies sich nicht mehr einsetzen.

Was konnte das sein? Nun, wie sich rausstellte waren jene Löcher in denen die nicht beiliegenden Metallstifte stecken sollte dafür gedacht zu verhindern das die Federn der Türe einschnappen und somit ein Einsetzen der Türe unmöglich machten. Einen Abend lang versuchte ich jene Federn wieder zurück zu biegen, kam aber nicht besonders weit damit und wenn Mann nicht weiter kommt, dann fragt er einen anderen Mann.

Mein Vater, ganz dem Sohne nacheifernd, versuchte es erst mit Gewalt, dann mit der Anleitung, dann wieder mit Gewalt und schließlich mit Werkzeug. Aus alten Nägeln wurden neue Metallstifte zusammen gebaut und mit sehr sehr viel Kraft wieder eingesetzt. Die Feder wurde soweit auseinander gezogen, dass ein Einsatz der neuen Stifte möglich war. Danach wurde die Türe eingesetzt was allerdings eine Verkeilung der Stifte mit in der Öffnung im Ofen für die Feder mit sich zog und somit die Türe auf halben Wege stecken blieb. Nichts ging mehr vor und nichts mehr zurück. Erst der penetrante Einsatz von einem Hammer und einem kleinen Schraubenzieher verzog die Metallstifte dermaßen, dass diese nach einigem Hin und her aus den Löchern hinaus fielen und den Weg für eine vollständige Einführung der Türe möglich machten. Dass das Innenleben des Ofens nun um zwei Metallstifte reicher ist, der Ofen an einigen Stellen aussieht als ob er mit Mike Tyson getanzt hätte, sei nur mal am Rande erwähnt. Solange man das nicht schmeckt kann das mir egal sein.

Da merkt man wieder: Putzen macht nur Ärger!

  1. #1 von die_schottin am 18. Dezember 2008 - 8:32

    Bei uns geht das problemlos. Frag mich aber bitte nicht wie – für den Ein- und Ausbau der Tür ist mein Mann zuständig.

  2. #2 von Lenny_und_Karl am 18. Dezember 2008 - 9:43

    Sie haben den ganzen Ofen äußerlich ruiniert? Ich würde sagen: putzende Männer bringen nur Ärger. 🙂

  3. #3 von der Kaiser am 18. Dezember 2008 - 12:24

    @Schottin
    und ich dachte ich bekomme jetzt noch Tipps

    @LuK
    Deswegen lasse ich das auch leiber die putzende äh die weibliche Bevölkerung das machen :p

(wird nicht veröffentlicht)