Abenteuer in Schwerin


Ein Aufschrei zerschneidet die morgendliche Stille im Einkaufscenter wie ein Teppichmesser Papier. Die Vögel außerhalb schrecken auf und flattern aufgeregt wild durch die Gegend. Für einen Moment hält das gemächliche Treiben innerhalb der einzelnen Geschäfte an, das Personal schaut kurz auf und dann ist das Treiben wieder da. Die einsame Person am Bankautomaten beachtet niemand. Vielleicht ist es auch normal das Leute vor Bankautomaten schreien. Das ist vermutlich eines der vielen Geheimnisse innerhalb von Deutschland über die geschwiegen wird. Zu wenig Geld auf den Konto lässt die Leute in die Luft gehen wie einst das HB Männchen. Doch da es allen so geht, macht man insgeheim keinen Aufstand drum.

Ich war in der letzten Woche auf einer Dienstreise in Schwerin. Da die Anfahrt bereits einen Tag zuvor stattfand übernachtete ich in einem Hotel vor Ort. Nach einer mehr schlecht als recht geschlafenen Nacht reichte ich der freundlichen Rezeptzionistin meine EC Karte um das Hotelzimmer zu bezahlen. Mit einem Lächeln schob sie die EC Karte durch ihr Kartenlesegerät, dann gab das Lesegerät grummelnde Geräusche vom sich und ihr Lächeln schmolz dahin wie Eis in der Sahara. Sie murmelte etwas vor sich hin und schob die Karte ein zweites und ein drittes Mal durch ihr Lesegerät, immer mit dem selben Ergebnis: Erst grummelte Geräte dann murmelte die Rezeptzionistin.

„Habe sie noch eine andere Karte?“ fragte sie mich und versuchte wieder ein Lächeln aufzubauen. „Das Gerät hat leider ihre Karte abgelehnt“

„Nein, leider nicht!“ antwortete ich ihr mit einem dumpfen Gefühl in der Magengegend und wurde Zeuge wie das Lächeln wieder zusammenbrach.

„Was machen wir denn nun?“ fragte sie sichtlich zerknirscht in die Runde und drückte auf ein paar von Knöpfen herum.

„Haben sie hier einen Bankautomat in der Nähe?“ fragte ich, „Dann gehe ich dort Geld abheben“

Das Lächeln schoss wieder in ihr Gesicht zurück und sie beschrieb mir den Weg zu einem Einkaufscenter in der Nähe. ich bedankte mich, nahm meine Karte und ging zu beschriebenen Ort. Währenddessen überlegte ich was wohl schief gelaufen sein könnte. War die Karte aus irgendeinem Grund gesperrt? Wenn ja, warum? Oder war das Gerät defekt? Vielleicht auch die Karte? Ich verwarf den letzten Gedanken, schließlich hatte ich am Tag zuvor noch erfolgreich etwas Geld damit abgehoben. Ich beschloss mich überraschen zu lassen.

Am Bankautomat selbst, schob ich die Karte behutsam in den Kartenschlitz. Der Automat erwachte zum Leben, fragte brav nach meiner Pin, dachte kurz nach und fragte mich dann nach meinem Anliegen. Zufrieden drückte ich auf Auszahlung, wählte den Betrag aus und freute mich einfach darüber dass das mistige Gerät vom Hotel wohl einen Defekt hatte.

Zu früh gefreut: Der Automat piepste kurz auf und warf die folgende Meldung auf den Schirm:

Ihre Karte wurde aus sicherheitstechnischen Gründen eingezogen.
Bitte setzen Sie Sich mit Ihrer Bank in Verbindung.

Zum Schluss erklang ein für Automaten sattes Rülpsen aus dem Kartenschlitz und wie es sich nach einem ausgewogenen Mahl gehört verfiel der Bankautomat in einen Schlafzustand.

Baff stand ich vor dem Automaten und verstand die Welt nicht mehr, dann rief ich meine Bank, der Spasskasse, an und verbrachte die nächsten 5 Minuten mit der Warteschleife. Ich vermute mal schwer das mich das immer wiederkehrende Musikjingle beruhigen sollte doch das Gegenteil war der Fall. Nach 5 Minuten endloser Ewigkeit meldete sich eine Frau und fragte meinem Anliegen. Ich beschrieb ihr kurz meine Situation als sie mich unterbrach und meinte: „Einen Moment, ich stelle sie durch!“

Wieder dieses beknackte Jingle. Weitere endlose 5 Minuten die mir somit im Leben unter der Rubrik „Sinnlos genutzt“ verbucht wurden.

Ein Knacken in der Leitung dann hatte ich Paradebeispiel von Hotline-Freundlichkeit am Apparat. Ohne einen Namen zu nennen fragte sie in einem Tonfall der gerne in Militärkreisen gehört wird nach meinem Anliegen. Meinen Versuch die Situation zu schildern folgte ein einschneidendes: „Ich prüf mal ihr Konto“ …

„Nee, da ist alles ok!“

„Und nun?“ fragte ich.

„Habense keine Kreditkarte?“

„Nein!“

„Wieso denn nicht?“

„Weil ich noch nie eine wirklich gebraucht habe?“

„Heute braucht man doch immer doch eine!“

„Wenn sie das sagen…“

„Dann kann ich ihnen nicht weiterhelfen. Da müssen wir warten bis die Karte uns von der anderen Bank zugeschickt wird.“

Es folgte noch weitere 5 Minuten, die ein ähnliches dämliches Hin- und Her beinhalteten und mich dem Ziel, Geld abzuheben nicht weiterbrachten. Zumal war niemand in der Hotline in der Lage mir zu erklären wie so etwas überhaupt passieren konnte.
Frustriert rief ich die Bank die den Bankautomat betrieb an, in der Hoffnung das die mir erklären konnten was passiert war. Ich wuselte mich durch das Sprachmenu und landete dann bei einem Mann mit starkem bayrischen Akzent. Ich erläuterte Ihm meine Situation, dann fragte er mich ob ich von einem Handy aus anrufen würde. Ich bejahte und der Mann fragte nach meiner Nummer damit er mich zurück anrufen könnte. Wofür, so meinte er, solle ich denn Geld verpulvern? Wo war ich denn jetzt? Im Himmel? ich gab ihm meine Nummer und er rief mich direkt zurück. Er ließ sich den Ort beschreiben wo sich der Automat befand und schaute über Fernzugriff auf die Maschine.

„Ganz klar“ sagte er nach ein paar Minuten „Ihre Karte ist defekt. Genauer gesagt der Magnetstreifen. Sie müssen wissen, das bei jedem Zugriff der Maschine auf die Karte die Lesbarkeit des Magnetstreifens geprüft wird und wenn sie, wie in ihrem Falle, nicht mehr 100% gewährleistet ist, wird die Karte eingezogen. Das Konto von ihnen wird dabei nicht belastet.“

„Aha! Und was passiert jetzt?“

„Ein Geldunternehmen wird den Automat heute leeren und die Karte mit rausholen. Die wird dann ihrer Bank zugeschickt. Von denen bekommen sie dann eine neue Karte. Am besten beantragen sie direkt eine neue Karte bei denen. “

Wow! Das nenne ich mal eine Auskunft. Zwar hatte ich immer noch kein Geld, doch ich wusste mal was Sache war. Der freundliche Mann, nahm sich meine Personalien auf damit der Fall aktenkundig war und verabschiedete sich von mir.

Ich ging zurück zum Hotel, lies mir eine Rechnung ausstellen und hinterlegte als Garantie eine Kopie meines Personalausweises. So geht es auch.

Die Rechnung ist inzwischen beglichen, unzufrieden bin ich allerdings mit dem Verhalten meiner Bank immer noch. Und da das leider nicht der einzigste Fall von schlechtem Service war, muss ich mir mal Gedanken drum machen ob ich nicht die Bank wechseln sollte. Wohl fühle ich mich da nicht.

  1. #1 von Sophie am 27. August 2006 - 15:01

    Es leben die Bayern! 😉

    Wie wäre es mit einem Wechsel von der Kreissparkasse zur Sparkasse KölnBonn? 😀

  2. #2 von Huhn am 27. August 2006 - 19:58

    Ist das nicht mittlerweile alles Köln/Bonn? Die haben doch fusioniert, oder?

    Hmmm, ich bin schon immer bei der Volksbank gewesen und bisher keine negativen Vorkommnisse. Aber wie ein Unternehmen Krisenmanagement macht, merkt man ja bekanntlich erst, wenn man es braucht…

  3. #3 von Sophie am 27. August 2006 - 20:51

    In Köln gibt es anscheinend eine Kreissparkasse und eine Sparkasse. Und letztere hat mit der Sparkasse Bonn fusioniert.

    Ich bin ein Sparkassen-Kind, seitdem wir dort in der Grundschule immer unsere Sparschweine abliefern durften 😉

  4. #4 von der Kaiser am 3. September 2006 - 15:25

    @ Sophie

    Das mit den Sparkassen stimmt, doch soweit ich weiß sind Stadt- und Kreissparkasse so ziemlich das selbe.

    Das mit den Sparschweinen ist cool, wurde aber bei uns nicht angeboten. Wie war das bei der Volksbank Huhn?

  5. #5 von Sophie am 3. September 2006 - 20:30

    Vielleicht ist die Sparschwein-Aktion der Unterschied zwischen Kreis- und Stadtsparkasse 😉

  6. #6 von Huhn am 3. September 2006 - 20:59

    Ich kann mich noch erinnern an den Weltspartag, wo es dann immer einen Rucksack oder einen Stifteständer oder sonstwas gab (im schönen Voba-Blau), und an die Mark&Penny-Comics. Kennt ihr als Sparkassenkinder die überhaupt?

    Meine Mum hat erzählt, daß es schon zu meiner Geburt einen Brief von der Voba gab mit einem Gutschein über 10 Mark bei einer Kontoneueröffnung. (Deswegen haben sie das dann wohl auch gemacht, waren nämlich selbst bei der Sparkasse.) Das nenn ich mal Marketing-Maßnahme!

  7. #7 von der Kaiser am 9. September 2006 - 20:23

    Mark&Penny? Der Name der Sparkassencomics war viel cooler: KNAX.

    Zu Bundeswehrzeiten meinte ein Kamarad mal es gäbe nichts schönes als, Zitat: „…sich die Zeit beim Kacken schön mit einem Knaxheftchen zu versüßen.“

    Es lebe Knax!

(wird nicht veröffentlicht)