Lautstärke


Sich von der Welt abzukapseln ist heute Mode geworden: Nahezu jeder besitzt irgendein tragbares Gerät zum Abtöten von Zeit auf Bahnfahrten sei es nun Laptop, PSP, Nintendo DS, CD oder Mp3 Player. Vor allem letzteres ist eine häufiger Begleiter des bahnfahrenden Volkes. Das Prinzip ist einfach: Die Ohren mit Kopfhörer verkorken und schon sitzt man in seiner eigenen Welt wo niemand jemanden stört. Und was ist das beste an eigenen Welten?

Man kann machen was man will!

Also dreht man gerne die Musik auf ungesunde Pegel. Denn nur laute Musik ist wahrlich genießbar. Deswegen legt man gerne auch gerne bei Konzerten schon mal ein Ohr auf die Box für den puren, unverfälschten Genuss. Wen stört das schon?

Mich!

Mich und einigen anderen!

Doch wie auch hier sind Fahrten in öffentlichen Verkehrsmittel narrenfreie Zone. Man sitzt auf seinem Platz und wird wahlweise links oder rechts mit den scheppernen Beats von Techno, dem dumpfen Geschnatter von Hip Hoppern oder dem Gedröhne krachender Metallgitarren zugeschüttet. Ist so etwas passiert sitzt man sicher in der Klemme: Soll man nun was sagen oder nicht?

Sagt man etwas ergeben sich folgende Schwierigkeiten:

1) Man wird nicht verstanden: Die Musik die in die Ohren dröhnt raubt jegliche arkustische Wahrnehmung. Hat man dabei noch die Augen geschlossen versagt auch das Verständigen durch Gestiken. Bleibt somit nur noch die Kontaktaufnahme durch Körperkontakt. Mal kurz auf die Schulter getippt, zuckt der Körper kurz, die Augen springen auf wird man umgehend böse angesehen, denn wer lässt sich gerne stören.

2) Hat man erstmal die Aufmerksamkeit gewonnen so muss man nur noch deutlich machen das es sinnvoller ist die Ohren von den Kopfhörern zu entkorken um so das klärende Gespräch in Gang zu bekommen. Kurze Gestiken in Richtung Ohr sehen erstmal beknackt aus und werden nicht von jedem verstanden. Da reibt sich der Angesprochene schon mal die Ohren in Vermutung es hänge etwas dreckiges an ihnen.

3) Sind die Ohren entkorkt, so muss man gegen den großen Lärm aus kleinen Boxen reden was meist in einer lauten Stimme oder gar Geschrei enden kann.

4) Geschrei ist nicht sonderlich förderlich zwischen zwei Parteien, da fliegen dann schon mal schnell die Fetzen und im schlechtesten Falle sogar die Fäuste.

Hat man Erfolg so wird der Störenfried die Musik leiser drehen, wenn nicht, kracht es halt weiter.

Sagt man nichts, dann bleibt es beim Krach und man weiß: „Neben mir sitzt ein zukünftiger Hörgerätträger.“ An dieser Stelle sollte man sich überlegen, ob man nicht zwecks Aufstockung der eigenen Finanzen in den aufstrebenden Markt der Hörgeräte investiert.

Eine andere lärmerzeugende Gruppe die mir übel aufstößt ist die der Mp3 tauglichen Handybenutzer. Klar, es ist cool seine Musik immer dabei zu haben. Ein Mp3 als Klingelton ist schon arkustisch ansprechender als die ollen polymorphen Dinge. Keine Frage, aber… ein Mp3 Handy ist kein Ghettoblaster. Es sieht einfach bescheuert aus wenn jemand an jemanden vorbei geht und aus seiner Hand scheppern die Beats. Mit einem Bobbycar fährt man schließlich auch nicht in Indianapolis auch wenn es noch so interessant klingt. Und! Man sieht die Ghettoblastermenschen bereits im Vorfeld und kann so einen entsprechenden großen Bogen um sie machen
Ein wenig Rücksicht würde euch und den anderen nicht schaden. Ihr seid nicht alleine auch wenn ihr euch noch so sehr hinter einer Mauer aus Noten verbergt. Eure Umwelt und eure Ohren werden es euch danken!

  1. #1 von Usagi1997 am 13. November 2006 - 20:30

    Rücksicht? In den Köpfen dieser Menschen ist das entweder der Blick zur Heckscheibe des Autos, gar nicht mehr existent oder ihre Art der Rebellion. Fragt sich nur Rebellion gegen was?

    Das sind für mich die selben Leute, die gnadenlos jeden Dutzen und später unsere „Rentenzahler“ sein sollen. Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich mich vor Lachen auf dem Boden wälzen.

    Nebenbei, das Hörgerät soll später sicher auch noch die Krankenkasse zahlen *pillepalle*.
    Ich finde vorallem die super, die so laut hören, dass ich mehr von deren Musik höre als von meiner o__O.

  2. #2 von Huhn am 13. November 2006 - 21:18

    „sie mag Musik nur, wenn sie laut ist, das ist alles, was sie hört“ – aber das hatte ja einen ernsten Hintergrund

    Sehr nett finde ich die „Ey Alter, kennste schon den neuen Song von xyz?“-Fraktion, den dank der MP3-Player im Handy bald der ganze Wagen kennt… was ich aber noch viel schlimmer finde: Karnevalsgesellschaften (oder Junggesellenabschiede beider Geschlechter, Kegelclubs auf dem Weg nach Mallorca etc.) – den Krach hört man auch, wenn man sich an das andere Ende des Wagens setzt.

    @Usagi1997: ich denke, bei den meisten ist das nur eine Phase, die auch wieder zu Ende geht. Auf Dauer macht das ja keine Spaß mit der Rebellion 😉

  3. #3 von Usagi1997 am 15. November 2006 - 10:57

    @Huhn
    Vorallem erkennte man irgendwann, dass man in dieser Gesellschaft so nicht bestehen kann. Es ist ein ständiges Geben und Neben und wer sich dem nicht anpasst, der fällt durchs Netz.

(wird nicht veröffentlicht)