Art or just creepy…?


Kunst ist ja bekanntlich so eine Sache und sicherlich eines der wenigen Dinge über die sich zeitos streiten lässt. So auch bei dem folgenden Video das momentan durch das Netz wandert:

Bei dem Video handelt es sich um ein Projekt der Amerikanerin Ahree Lee. Ahree Lee ist Grafikdesignerin und experimentelle Filmmacherin. Seit dem 1 November 2001 fotographiert sie sich Tag für Tag aufs neue und hält so die Veränderungen ihres Anlitzes fest. Aus den zahreichen Fotos entstand der Film „Me“ von dem oben ein kleiner Auschnitt zu sehen ist. Der Film in voller Länge (3 Minuten) kann hier eingesehen werden und beinhaltet alle Bilder von 2001 bis 2004. Zusammen mit der Musik von Nathan Melsted ist ein auf den ersten Blick zwar einfacher, aber sehr beeindruckender und auch düsterer Film entstanden.

Ich komm nicht drum herum: Me ist in meinen Augen ein sehr beeindruckendes Stück. Einen Menschen so im Zeitraffer ist interessant und ängstlich zugleich. Selbst nach mehrmaligen Ansehen von Me kann man Änderungen im Stil von Ahree Lee feststellen. Besonders zum schmunzeln finde ich das (wohl eher bewusst gestelzte) Foto auf dem sie mit blonder Perücke und Sonnenbrille zu sehen ist.

Es stellt sich mir direkt die Frage wie das ganze wohl bei meiner eigenen Person aussehen würde. Welche Änderungen würde ich bei mir selbst feststellen? Wer sich damit auseinander setzt wird feststellen das, obwohl man nicht selbst zu sehen ist, von Ahree Lee so etwas wie ein Spiegel vorgehalten wird: „Seht her, das bin ich über vier Jahre. Was ist mit euch?“ Zudem wird einem deutlich gemacht wie sehr wir doch auf Kleinigkeiten bei anderen achten und diese im nächsten Moment wieder ins Unterbewusstsein verdrängen.

Die Musik selbst gibt dem ganzen einen fast schon bedrohlichen Anstrich, als ob Zeit in einer Sanduhr verrinnt unter Rhythmus und sphärische Klänge und so Vergänglichkeit symbolisiert.
Am Ende bleibt die allübliche Frage nach dem Sinn des ganzen: Ist es ein Zeitdokument? Kunst? Einfach nur gruselig? Schwachsinnig? Genial?

Wie zuvor gesagt, ich selbst finde es beeindruckend was Me zeigt und zugleich auch fesselnd. Für mich ist es Kunst, einfach alleine aus dem Grund weil es mich zum nachdenken und diskutieren in vielerlei Hinsicht anregt und das ist etwas was viele Dinge die ebenfalls unter dem Begriff Kunst geführt werden nicht tun. Wie sieht der/die Leser(in) das?

  1. #1 von Sophie am 19. August 2006 - 10:04

    Faszinierend finde ich, dass sich ihr Gesichtsausdruck nie ändert. Ich hätte es interessant gefunden, unterschiedliche Emotionen zu sehen, da sie sicherlich nicht jeden Tag gleich gut/ schlecht gelaunt war.

    Bei den Haaren scheint sie ja recht experimentierfreudig zu sein, wobei aber meistens der Seitenscheitel gleich ist und sich nur die Länge ändert. Drei unterschiedliche Brillen habe ich bemerkt und die Farbe des Lippenstifts ändert sich immer wieder.

    Gruselig finde ich das Video nicht, höchstens, dass Ahree Lee nicht wirklich altert. Nur gegen Ende sieht sie etwas erwachsener aus, was aber vermutlich an der Kurzhaarfrisur liegt.

    Kunst ist es garantiert, da der Begriff sehr weit ist. Eine Leinwand in einem Blauton anzumalen ist Kunst. Ein Stück Butter an der Wand ist Kunst. Warum also das nicht auch? Wobei ich das Video sehr viel eher als Kunst bezeichne als die gerade genannten Beispiele. Vielleicht ist es die Art von Kunst, die uns in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erwartet und wir sind Zeugen des Werks einer Pionierin geworden.

  2. #2 von der Kaiser am 19. August 2006 - 17:05

    An sich ist der Film nicht gruselig. Aber er bekommt zumindest solche Züge wenn die Musik dabei läuft.

    Hätte sie ihren gesichtausdruck geändert, dann hätte das Video sicherlich abgehackter gewirkt. Mit der gleichen Mimik wirkt es weicher.

  3. #3 von Sophie am 20. August 2006 - 14:17

    Das stimmt. Hast du etwas gelesen, warum sie diese Musik ausgewählt hat und nichts fröhlicheres.

    Da hast du recht. Aber wie wäre es dann mit einer freundlicheren Grundmimik gewesen? 😉 Dadurch, dass der Gesichtsausdruck immer gleich ist, kann man auch leichter vergleichen. Ich frage mich sowieso, wie sie es geschafft hat, den Kopf immer in der gleichen Position zu halten..

  4. #4 von der Kaiser am 3. September 2006 - 15:27

    @Sophie

    Nein, dessen ist mir nichts bekannt.

    Vermutlich hat sie eine feste Position im haus gehabt wo auch die Kamera stand

(wird nicht veröffentlicht)