Namibia und Kapstadt 2005 – Tag 5: Windhoek -> Kapstadt (Teil 1)


Bevor ich mit Tag 5 beginne, muss ich noch ein Foto aus Tag 4 (hier nachzulesen) nachreichen. Das ist mir nämlich beim letzten Beitrag durch die Finger geglitten und ich möchte ungern auf dieses Bild verzichten. Zur Vorgeschichte des Bildes: In jenem Hotel fand eine Hochzeit statt. Die Gesellschaft hatte die Dachterrasse dafür gemietet und feierte das Brautpaar. Um zu verhindern das unerwünschte Hotelgäste sich auf die Feier verirrten, hatte man vorsorglich ein Schild im Vorraum plaziert…

Kotze???

Nun frage ich mich… ist Kotze ein afrikanisches Wort für Hochzeit, ist das der Name des Braupaares oder ein Teil eines Hochzeitrituals? Brrrrr! Ich mag nicht daran denken.

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Am nächsten Tag brachte uns Harald nach einem knappen Frühstück zu Flughafen. Kurz und schmerzlos verabschiedete er sich persönlich von jedem Mitglied der Tour. Er erinnerte uns daran die so genennten „Meckerzettel“ (Bewertungsbögen) auszufüllen und ja reinzuschreiben das man diejenigen die sich solche Touren ausdenken ja aufzuknüpfen. In Haralds Augen hadelte es sich hierbei um verkappte Akademiker die nie in Namibia waren und folglich keine Ahnung über die Gegebenheiten des Landes haben. Ganz unrecht hatte er mit der Aussage wohl nicht.

Zeit für eine kurze Zwischenbilanz: Es war wie es Harald gesagt hatte, eine Mammuthtour. In 5 Tagen haben wir in einem klapprigen Bus (wenn Harald nicht bei der Angabe der Kilometer geschummelt hat) sage und schreibe 2758 Km zurückgelegt. Das entspricht einem Durschnitt von 551,6 Km und somit über den Daumen gepeilt gut 5 1/2 Stunden Bussitzen pro Tag. Habe ich (wie die meisten anderen) zu Beginn ganz aufgeregt die (meist abwechslungsarme) Landschaft begutachtet, so habe ich gegen Ende immer mehr im Bus geschlafen. Auch Haralds Zwischenmeldung: „Langweiler auf 12 Uhr!“, „Da ein Wildschwein!“ habe mich nachher auch nicht mehr wachhalten können. Man hat sich doch recht schnell an die Umgebung gewöhnt.

Flieger nach Kapstadt

An sich ist der schnellste und bequemste Weg um von Windhoek nach Namibia zu kommen der mit dem Flugzeug. An sich wohlgemerkt. Dummerweise hatte unseres bereits einiges an Verspätung gemeldet und hinzu kam, dass das Flugzeug das vor uns nach Kapstadt fliegen sollte wegen Spritmangels ausgefallen war. Das Ergebnis: Ein total überfülltes, kleines, enges Flugzeug. Die Leute wurden zwangsweise in die erste Klasse gesetzt da ansonsten kein Platz mehr vorhanden war. Mir war das Glück der ersten Klasse vergönnt: Ich saß „nur“ in der Klasse der Normalsterblichen. Die, die einen Platz in der ersten ergattert hatten winkten fröhlich in die zweite Klasse. Neidvoll sah man ihnen zu wie sie sich in ihren unglaublich breiten Sitzen räkelten, mit einem Erfrischungsgetränk begrüßt wurden und völlig entspannt aussahen. Was gab es in der zweiten Klasse? Die Gemütlichkeit einer Sardinenbüchse (gab es in der zweiten Klasse drei Sitze zu jeder Seite des Ganges, so waren es in der ersten lediglich zwei Sitze), die Überbleibsel im Netz des Vordersitzes aus dem letzten Flug und definitiv eine leicht säuerliche Atmosphäre. Das wurde auch kein Deut besser als der Pilot kurz nach dem Start verkündete das man in einem kleinen Kuhkaff (dessen Namen ich nicht wirklich verstanden habe) zwischenlanden müsste. Warum? Spritmangel!

Was war passiert? Der Sprit der in Namibia verwendet wird kommt größenteils aus Kapstadt, Süd Afrika. Einmal im Jahr wird dort der Hahn der Leitungen zugedreht um diese zu überprüfen, warten, reinigen etc. Einmal im Jahr! Verdammt! Hätte ich doch nur auch so viel Glück im Lotto!

An sich ist das aber keine große Sache. Die entsprechenden Unternehmen, Leute und Tankstellen werden generell im Vorfeld rechtzeitig informiert was aber in diesem Jahr schlichtweg versäumt wurde. Somit gab es einen 2-3 Tägigen Lieferengpass was Sprit anging.

Die ganze Situation war zuviel für das arme Flugpersonal. Kaum hatten sie das Flugzeug gerade mal mit Getränken versorgen, sammelten sie es auch schon wieder ein da wir uns im Landeanflug befanden. Dann standen wir gut 45 Minuten, bei sengender Hitze und ohne Getränke in einem kleinen Flugzeug und warteten auf Sprit. Erwartungsgemäß wurden die Leute unruhig und hier und da überlegte man sich sicherlich wen von der Crew als erste lynchen sollte.

Ich würde jetzt gerne schreiben das wenigstens der Rest des Fluges angenehm war aber das wäre schlichtweg gelogen. Der Rest des Fluges fand unter ziemliche Turbulenzen statt was die Crew nicht wirklich davon abhielt das Essen zu servieren. Wer schon mal versucht hat ein unkontrolliert auf und ab springendes Stück Fleisch, während man selbst das Gefühl hat einen furchtbaren Schluckauf zu erleben, zu schneiden kann sich ungefähr vorstellen was für ein Spaß das war. Natürlich wurde direkt wieder abgeräumt – Landeanflug auf Kapstadt! Gegessen haben aber die wenigsten, nicht wenige wurde vom ewigen auf und ab übel und füllten dem Tribut zollend ihre Kotzbeutel. Auch das hob keineswegs die Stimmung.

Die vielleicht einzigsten denen die Unannehmlichkeiten dem Anschein nach nicht wirklich kümmerten, waren drei Deutsche die in der Reihe neben mir saßen und sich mit Bier und Schnaps betäubten. Was sie an Spirituosen nicht von der Crew bekamen zogen sie aus ihrem Handgepäck hervor. Gottseidank hat keiner von denen gesungen und bei der Menge erstaunlicherweise nicht gekotzt.

Das drittbeste Hotel der Welt

In Kapstadt sind wir dann mit über 2 Stunden Verspätung gelandet. Vom Flughafen ging es dann mit dem Bus des Reiseunternehmens direkt zu Hotel. Kaum angekommen blieb für einige keine Zeit zum Verschnaufen. Diejenigen die die Stadttour gebucht hatten mussten direkt wieder los um sich das ziemlich gekürzte Programm anzusehen. Wäre der Flieger pünklich gekommen… aber den Rest kann man sich ja denken.

Wir fuhren in die Nähe des Mount Nelson Hotels, welches ,nebenbei mal bemerkt, das drittbeste Hotel der Welt sein soll. Von dort bogen wir ab in den Park (Company Garden) zum Museum.
Eichhörnchen in Kapstadt

Dort empfingen auch Heerscharen von Eichhörnchen, die sich (wie die Tauben in Europa) an den Menschen soweit gewöhnt haben. Sie störten sich nicht an uns, wuselten zwischen unseren Beinen hin und her und hätte ich eine Tüte Nüsse gehabt, sie hätten mir aus der Hand gefressen.

Musem in Kapstadt

Es gab einen sehr sehr sehr kurzen Besuch des bekannten South African Musuem. 1825 gegründet, befasst es sich hauptsächlich mit der Naturgeschichte, den kulturellen und biologischen Ressourcen von Süd Afrika. Neben riesigen Skeletten von Dinosauriern oder gar Walfischen, gibt es auch eine große anthropologische Abteilung und sogar ein Planetarium. Es ist sehr sehr schade das wird nicht länger bleiben konntn. Alleine hier kann man einen ganze Tag verbringen und entdecken.

Park am Museum

Direk am Museum befindet sich eine Vielzahl großer Gärten. Wo heute Blumen gedeien wurde früher Gemüse und Obst gezüchtet um die Kolonisten und Seefahrern versorgen zu können Die Idee dafür kam vom Gründervater Kapstadt: Jan van Riebeeck. Damals, wurde Kapstadt im Auftrag der Holländisch-Ostindischen gesellschaft gegründet. Heute flaniert man durch den Garten oder aber heiratet dort. Bei unserem Eintreffen schlenderte ein frisch verheiratetes Paar durch die Gärten.

Cecill John Rhodes

Cecil John Rhodes, britischer Imperialist, Kolonist und Gründer von Rhodesien hatte einen großen Einfluss auf die Kolonien in Süd Afrika. Im Namen der britischen Krone trieb er den Kolonierungsprozess vom Süden in Richtung Norden an. Der Ausspruch „Your hinterland is there“ – salopp übersetzt mit „Euer Heimatland ist dort“ – rühmt von Rhodes Vorstellung her für die englischen Siedler das perfekte Siedlungsgebiet gefunden zu haben. Er gab die Richtung an wo zu siedeln war.

Riesenbäume im Company Garden

Im Company Garden finden sich auch solche beieindruckenden Riesenbäume. Leider etwas zu groß um sie komplett zu fotographieren.

Sitz der Nationalversammlung

Nicht weit weg vom Company Garden, tagt die Legislative im Parlament.

Das ehemalige Sklavenhaus

Weiterhin findet sich in unmittelbarer Nähe die Slave Lodge. 1679 erbaut, bot es zunächst Untschlupf für ca. 600 Sklaven. Zugleich war es auch Irrenanstalt und Gefängnis. Später diente die Slave Lodge als Oberstes Gericht und heute als Museum.

Essen in der Crypta???

Verlässt man den Company Garden so kann man sich zu einem „Leichenschmaus“ niederlassen. Direkt neben der Kirche findet sich in der Krypta ein Restaurant. Für den Zombie von Heute definitiv ein Muss!

So viel fürs erste.

  1. #1 von Nuhrfan am 21. November 2006 - 20:55

    Hallo, vielen Dank für die Fortsetzung mit Tag 5.
    Habe schon sehnsüchtig darauf gewartet.
    Der Flughafen hiess (oder heisst noch immer)
    Upington !
    Da Du ca. 5 Reihen vor mir gesessen hast, möchte ich
    betonen dass ich in der letzten Reihe fast dabei
    war, mein Habseligkeiten unter den Menschen zu verteilen, da ich gedacht habe, dass ich diesen Flug
    nicht überlebe. Das ist der Nachteil der letzten Reihe
    im Flugzeug.

  2. #2 von Sophie am 23. November 2006 - 19:44

    Random thoughts:

    Eichhörnchen!

    Den Flug hätte ich nicht überstanden!

    Meinst du, du beendest den Reisebericht, bevor die Reise ein Jahr her ist?

    @Nuhrfan:
    Was ist so schlimm an der letzten Reihe? Ich habe für meine nächsten zwei Flüge die letzte Reihe gebucht, weil ein Freund meinte, dass da der Ausblick so toll ist. Sollte ich das lieber noch ändern?!

  3. #3 von Usagi1997 am 26. November 2006 - 1:00

    „Leider etwas zu groß um sie komplett zu fotographieren.“
    Ich weiß, das ist gemein -wie immer- aber mir tut sowas einfach körperlich weh, wie Dir dieser Flug.

  4. #4 von Nuhrfan am 26. November 2006 - 14:38

    an Sophie:
    Leider konnte ich die Aussicht nicht geniesen, da ich am Gang einer 3er Reihe gesessen habe.
    Das wurde mir erst beim Zuordnen der
    Sitze bewusst.
    Man hat mir mal gesagt, dass die letzte Reihe am unangenehmsten ist, da die Turbulenzen doch recht heftig sind, wenn welche sind.
    Andererseits hat mir eine Stewardess (oder neuerdings)
    Flugbegleiterin gesagt, die mit Ihrem Getränke/Essens-Wagen gestürzt ist, dass das „normal“ sei, da in dem Bereich Namibia/Südafrika 2 Luftschichten(Kalt/Warm) aufeinandertreffen,
    die diese doch sehr starken Turbulenzen verursachen.
    Wünsche Dir einen angenehmen, ruhigen, aussichtsreichen
    Flug

  5. #5 von Sophie am 30. November 2006 - 18:30

    @Nuhrfan:
    Nach einigen Gesprächen habe ich jetzt erfahren, dass die ersten und letzten Reihen die sind, bei denen man die Turbulenzen am stärksten spürt. Bislang blieb ich von Turbulenzen verschont, aber man weiß ja nie. Wenn mich beim Einchecken jemand fragt, ob ich woanders sitzen will (ist beim Hinflug geschehen), ändere ich meinen Sitzplatz wahrscheinlich noch 😉

  6. #6 von der Kaiser am 30. November 2006 - 19:34

    @Sophie
    Das ist sehr sehr unwahrscheinlich das ich das rechtzeitig schaffe.

    @nuhrfan
    Ich fand die Turbolenzen halb so wild. 😉

  7. #7 von Nuhrfan am 30. November 2006 - 20:11

    @ Kaiser
    würde mal sagen, es gibt schlimmeres und ich habe
    es überlebt. Wer weiss schon, was mir noch so für
    Flüge im Leben bevorstehen. Habe es nur an diesem
    Tag als sehr unangenehm empfunden.

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